Jurysitzung 1997
Statement von Franz Nahrada als Sprecher der Jury beim Wettbewerb "Museum Online" Juni 1997

In der Oberstufe ist uns ebenfalls ein Projekt besonders aufgefallen, und zwar das Projekt der HTBLA Kaindorf. Nicht so sehr wegen der technischen Professionalität, die in diesem Fall einfach besonders günstige Produktionsbedingungen signalisiert; sondern eher deswegen, weil hier die Auseinandersetzung mit den neuen Möglichkeiten von Museum und Rezeption sehr gelungen ist. Das "alte" und das "neue" Museum, die Problematik der Informationsüberflutung und der Selektion, die neue Funktion der Museen als mediale Drehscheiben und viele andere Punkte bis hin zur Kommerzialisierung kommen in diesem Projekt sehr schön zum Ausdruck. Im Sinne einer Förderung der Auseinandersetzung mit dieser "interaktiven" und "vernetzenden" Dimension verstehen wir unsere Entscheidung."

"Zunaechst möchte ich alle, die zu diesem Wetbewerb beigetragen haben, ermutigen, daß sie auf dem Weg weitergehen sollen, den sie beschritten haben. Das Gebiet, auf dem wir hier die ersten unsicheren Schrite machen, ist Neuland, und Sie alle haben - ausgehend von oft sehr unerschiedlichen Voraussetzungen - dazu beigetragen, uns zu zeigen, was aus den neuen Medien und den mit ihnen gegebenen beeindruckenden Möglichkeiten der Vernetzung werden kann. In diesem Sinne haben wir in nahezu jedem Projekt eine originelle Umsetzung der Projektidee gefunden, die es wert ist, weiter verfolgt zu werden. Trotzdem war natürlich die Aufgabe der Jury, zwei Preisträger zu küren, einen für die Unterstufe, einen für die Oberstufe, und wir haben uns dabei von der Frage leiten lassen, wo die Möglichkeiten der vernetzten Informationstechnologien an besten und am umfassendsten ausgedrückt werden. In der Unterstufe hat uns die Idee der Hauptschule Poysdorf besonders imponiert, die Vernetzung nicht zu einer Einbahnstrasse in die Zentren werden zu lassen; die Idee, mit dem Medium Internet auch eine "lokale" Künstlerin zu dokumentieren, beständig Querbezüge zwischen dem Bekannten und dem relativ Unbekanten herzustellen, repräsentiert eine neue Qualität des Internet, dezentrale Orte unmittelbarer mit den Zentren zu verbinden und diese Anbindung auch zur Stärkung der eigenen Identität zu benutzen. Durch diese lokale Klammer ist auch der fächerübergreifende Ansatz leichter gefallen und wir hoffen, daß bei der Fortführung dieses Projektes noch weitere Aspekte dieses fächerübergreifenden Ansatzes entdeckt werden.

Weitere Jurymitglieder:

Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere
Sirikt Amann, Österreichischerr Kultur-Service
Christina Göstl, Public Netbase, Institut für neue Kulturtechnologien/t0
Heinz Kovacics, Stadtschulrat für Wien, Abt. II
Susanne Froeschl, Bureau for International Research and Technology
Iris Mayr, Ars Electronica Center, Linz
Thomas Trenkler, Der Standard


Anschließend: Gemeinsames Essen



 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18.03.1998