Klimt und Schiele im Netz!
Bericht über das Pilot-Projekt museum@online

Kann durch die neuen Medien ein neuer und zeitgemäßer Zugang zur Institution Museum geschaffen werden? Ergeben sich durch die Multimediatechnologie neue Möglichkeiten für die Vermittlung im Museum? Verändern die neuen Technologien das Verhältnis Kunstwerk - Betrachter? Können die neuen Medien Interesse für Kunst und einen kreativen Umgang damit fördern? Schafft die Multimediatechnologie durch das virtuelle Kunsterlebnis auch Motivation für eine reale Auseinandersetzung?

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen wurde im Schuljahr 1995/96 das Schulprojekt "museum@online" von der Österreichischen Galerie Belvedere, dem Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten und dem Österreichischen Kulturservice ins Leben gerufen, wodurch eine erstmalige Zusammenarbeit von Museum und Schule unter Nutzung innovativer Techniken, wie e-mail, Internet und Photo-CD entwickelt wurde.

Ausgangspunkt des Projektes stellte eine Photo-CD zur Kunst der Jahrhundertwende aus dem Bestand der Österreichischen Galerie Belvedere dar. Durch den unmittelbaren gestalterischen Zugriff am PC sollten die Kunstwerke für die Schülerlnnen direkt erlebbar und bearbeitbar werden. Die virtuelle Rezeption ermöglichte eine neue Art der Auseinandersetzung, bei der Inkunabeln der österreichischen Kunst mit neuen Ideen und ungewöhnlichen Fragestellungen konfrontiert wurden. Das Projekt "museum@online" veränderte den traditionellen Betrachterstandpunkt und sollte Neugier auf die Originale und Lust auf einen realen Museumsbesuch wecken.

An dem als Wettbewerb ausgeschriebenen Projekt beteiligten sich neun Schulen aus fünf Bundesländern. Fast alle Teilnehmerlnnen betraten mit diesem Projekt Neuland, aber das Erforschen der neuen Technologien in Verbindung mit Kunst stellte eine große Herausforderung dar. Die Projektideen, sowie deren Realisation und Dokumentation im world wide web sind aufgrund der Tatsache der anfänglichen Unkenntnis von Bildbearbeitungsprogrammen, HTML-Programmierung und elektronischer Kommunikation umso beachtens- und sehenswerter. Die faszinierenden technischen Zugangs- und Zugriffsmöglichkeiten wurden von den Schülerlnnen schnell erlernt und bestens ausgenutzt. Informationsrecherche und Literatursuche im Internet, elektronische Kommunikation und Austausch mit internationalen Projektschulen waren hier schnell eine Selbsverständlichkeit. Zur Unterstützung der Projektentwicklung wurden zwei Workshops durchgeführt, bei denen Beratung durch Künstlerinnen und Expertenhilfe in technisch-medialer Hinsicht gewährleistet wurde.

Eine Jury bestehend aus Künstlerlnnen, Vertreterlnnen öffentlicher Institutionen und der Medien kürte am Ende des Schuljahres die Siegerprojekte. Ausgezeichnet wurde das Projekt des Privatgymnasiums der Englischen Fräulein St. Pölten, das ein "lnternationales Kunst der Jahrhunderntwende-Quiz " entwickelte, ex aequo mit dem BG Klostemeuburg, deren Projekt "Kunstwerke der Jahrhundertwende am Beispiel von Klimt und Schiele" in Kooperation mit einer Partnerschule in Istanbul realisiert wurde. In der Kategorie Unterstufe wurde die HS St. Georgen/Stiefing prämiert, die "Klimt, Schiele & Co." originell und aufwendig umgesetzt hatten. Bei der im September in Wien veranstalteten CECA-Konferenz, die unter dem Thema "Neue Strategien der Kommunikation im Museum" stattfand, wurden die Projekte dem internationalen Konferenzpublikum vorgestellt. Die kreativen Endergebnisse der Schulprojekte der Pilot-Veranstaltung "museum@online" sind am "O.Ö. Education Highway" im Intemet unter http://www.asn-linz.ac.at/museum/titel/ abrufbar.

Im Schuljahr 1996/97 wird das Projekt "museum@online" mit dem Wettbewerbsthema "Wir gestalten eine virtuelle Ausstellung " weitergeführt. Alle interessierten Schulen konnten ihre Ideen für eine Cyberspace-Präsentation bis 30. November an das Projektbüro richten. (lnformation und Kontaktdresse: Österreichische Galerie Belvedere: Projektbüro ""museum@online""; 1030 Wien. Prinz-Eugen-Str. 27; E-mail: oeg@bboard.blackbox.or.at; Tel: 0222/79557-120

Das Projekt "museum@online" stellt für Jugendliche eine neuartige und zeitgemäße Begegnungsmöglichkeit mit dem Museum dar. Die von Schülerlnnen oftmals noch immer als verstaubt und langweilig angesehene Institution bringt diesem Projekt innovative Kontaktpunkte, die anstatt des passiven Konsums eine aktive Auseinandersetzung fördern und unterstützen. Dazu werden die neuen Technologien sinnvoll und vor allem kreativ eingesetzt. Auch für die Institution Museum ergeben sich durch die neuen Medien neue und wichtige Berührungspunkte. Im Zeitalter der Massenkommunikationsmittel und der vernetzten Gesellschaft muß auch das Museum die Chancen und Herausforderungen der Multimedia-Technologie wahrnehmen und eine Hinterfragung einer bisherigen Rolle und Position vornehmen. Mulitmedia kann als Instrument der musealen Vermittlung unterstützend eingesetzt werden, muß den Rezipienten aber zum orginalen Kunstwerk hinführen. Zweifelsohne liegt die Qualität des Museums in der Vermittlung von auratischen Erlebnissen und authentischer Erfahrung durch die Authentizität der präsentierten Werke. Das Museum muß der konstruktive Gegenpol zur reproduzierten Bilderflut der Medien bleiben, das Zusammenspiel von Kunstpräsentation und neuer Technologie kann aber die Aktualität des Museum erhöhen.

Das Projekt "museum@online" führt ansatzweise eine Möglichkeit vor, welche neuen Wege sich durch die Verbindung von Technologie, Kunst und musealer Vermittlung für die Institution Museum eröffnen.

Gerda Ridler

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