museum@online
Österreichische Galerie Belvedere im Internet
PROTOKOLL WORKSHOP I
vom 24.01. - 27.01.1996 in ALTMÜNSTER
ANWESEND:
| BetreuerInnen: | LehrerInnen: |
| Helmut Stemmer | Sabine Lingenhöhle-Rainer |
| Elisabeth Zistler | Hermann Präg |
| Werner Rodlauer | Annelies Ehrlich |
| Gerhard Sinnhuber | Ernest Kienzl |
| Gerald Neumeister | Gerhard Pierer |
| Margot Pilz | Swinda Loderer |
| Heidemarie Seblatnig | Doris Sygmund |
| Hadwig Kräutler | Edith Gasser-Kirnbauer |
| Gerda Ridler | Hedwig Thun |
| René Stangl | |
| Christian Mayer |
ABLAUF
Donnerstag vormittags:
Begonnen wurde mit einer allgemeinen Vorstellrunde der BetreuerInnen und der teilnehmenden LehrerInnen
Thema: Neue Medien, Kurzdiskussion
Kann Internet das Buch ersetzen? Wie gehen die SchülerInnen mit diesem neuen Medium um? Wie geht man allgemein mit der Masse der Information um?
Welche Ängste haben die LehrerInnen vor der Technik? (- manchmal sind SchülerInnen besser informiert)
Welche Reformen bringen die Computer in die Schule? (außer Ausdruck der Zeugnisse und schön designte Referate)
Weitere Diskussion in Kleingruppen zum Thema Neue Medien:
1. Gruppe:
Die Rolle des Lehrers/der Lehrerin ist verändert und schafft neue Herausforderungen, da SchülerInnen in Bezug auf Neue Medien oft besser informiert sind Die Beurteilung in üblicher Form ist nicht mehr gegeben, da projektbezogenes Arbeiten keine Einzelleistungen mehr sichtbar macht. Der Weg, bis für jeden einzelne(n) SchülerIn Technologie in ausreichendem Maß zur Verfügung steht, ist noch weit.
2. Gruppe:
Es wird die Befürchtung geäußert, daß der Computer als passives Medium zu sehen ist. Was kann Internet für die einzelnen Schulen bringen? "Vernetztes Denken" verbindet die Welt - aber kann nicht dadurch auch eine weitere Kluft zwischen der 3. Welt und der Industriegesellschaft entstehen? Auswahl der Information wird schwerer, es gibt keine "absolute Information" mehr, sie ist stets persönlich gefärbt, weil persönlich gefiltert. Frage der Zensur im Medium (gesteuerter/freier Informationsfluß)
3. Gruppe:
Frage nach dem Transport von Inhalten und der Kompetenz des Lehrers/der Lehrerin. Wie selbstverständlich ist der Umgang mit Neuen Medien in der Schule? Die Verbindung von Museum und Neuen Medien lassen neue Fragestellungen zu, traditionelle Grenzen werden gesprengt. Idee des virtuellen Museums, in dem Bilder "umgehängt" werden können, Depotwerke "gezeigt" werden können. Chancen und Grenzen der neuen Technologie als auch des traditionellen Museums werden dabei deutlich. Zeitaufwand und finanzieller Aufwand mit Neuen Medien ist nicht zu unterschätzen.
4. Gruppe:
Thema Museum: Der Zugang wird erleichtert, die Attraktivität erhöht. Das reale Museum ist aber keineswegs durch das virtuelle Museum zu ersetzen, da die Eindrücke eines Originalwerkes nicht durch ein digitalisiertes Bild vermittelt werden können. Die Vermittler haben oft einen kritischen Zugang, jedoch verstehen Kinder/SchülerInnen bereits die selektive Wahrnehmnung und realisieren von selbst Chancen und Risiken. Thema Schule: Neue Medien werden auf technische Fächer beschränkt, das Medium wird kaum kreativ eingesetzt.
Donnerstag nachmittags:
Begonnen wurde mit einer kurzen Einführung in das Internet durch Helmut Stemmer und Werner Rodlauer. Fragen zum Thema Provider, Einstieg, Verschicken von E-mails und verschiedenen Netzwerken wurden erläutert.
Danach stellten sich die beiden Künstlerinnen, Heide Seblatnig und Margot Pilz vor. Beide zeigten Videos von ihren Werken und ihren Arbeiten mit Neuen Medien.
Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurden die einzelnen Projekte der Schulen vorgestellt. (dazu: Blatt mit den Projektkurzbeschreibungen) Die ProjektleiterInnen beschrieben die Situation, ihre Vorgangsweise, wie Ideen entstanden sind und was bereits dafür geleistet wurde.
Die LehrerInnen wurden gebeten, eine Checkliste mit konkreten Punkten für die Projektanforderungen zu formulieren.
Danach wurden konkrete Arbeitsstationen von den einzelnen LehrerInnen durchlaufen, um Spezialfragen zu den Projekten und deren Umsetzung zu klären, wie allgem. Infos zum Internet, CD- Rom und CDI, Museumsinformationen). Dieses Angebot wurde gerne genützt, da es viele Fragen zur Technik allgemein und zur technischen Umsetzung im speziellen gab. Auch nach dem Abendessen gab es im Seminarraum einen "offenen Bereich", die technischen Betreuen standen mit Rat und Tat zur Seite und für alle Fragen gerne zur Verfügung.
Freitag vormittags:
Der Vormittag begann mit der Präsentation von Projekten des BMUkA 1993 gab es in Gmunden eine Tagung "IFIP 93", bei der österreichische Projekte präsentiert wurden. Hier wurde auch eine CD-Rom produziert, die vorgestellt wurde. Die "Success Stories", ein österreichisches Projekt, das ausgezeichnet wurde, ist auf einer www- Seite zu finden. (tecfa.unige.ch/edu-conf/success-stories aber auch über österreichisches Netz unter padl. zu finden (Pädak Linz) Gerald Neumeister stellt kurz das Projekt "Login" vor, das vom ÖKS initiiert wurde. Er gibt weiters den Hinweis, das "museum@on line -Projekt" beim Wettbewerb "Europa in der Schule" beim ÖKS einzureichen. Nähere Information dazu, gibt es beim ÖKS/Frau Nicoletta Blacher (Tel: 0222/523 57 81/23 - siehe auch Infoblatt). Danach gibt es eine offene Fragenrunde zur Projektumsetzung. Konkrete Fragen beziehen sich auf E-mails, CD-Rom-Laufwerke und Internet. Im Anschluß werden in einzelnen Gruppen Fragen näher erläutert.
Freitag nachmittags:
Hadwig Kräutler gibt allgemeine Information zum Thema Museum und zur CECA-Konferenz (siehe beigefügtes Blatt). Bei dieser internationalen Konferenz zur Vermittlung im Museum, die heuer unter dem Motto "Vor Ort und weltweit", Neue Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Besucher im Museum" steht und vom 22. - 26- 09. 1995 in Wien stattfindet, werden die "besten" "museum @ on line -Projekte" präsentiert. Eine LehrerInnen-Teilnahme ist hier möglich (1-2 Personen pro Bundesland werden - Anreise und Teilnahmegebühren werden übernommen).
Gerhard Sinnhuber zu Thema: Gestaltung einer www-Steite. Um eine "Seite" im Internet zu plazieren (eine Seite ist pysikalisch nicht begrenzt, sie kann z.B. 20 A4 Seiten umfassen) bedarf es einer eigenen Programmiersprache. Diese wird kurz erläutert. Es gibt auch eigene Programme, die Befehle automatisch umwanden.
Weiter gearbeitet wird dann in Kleingruppen. Werner Rodlauer betreut die Internet-Station, Gerhard Sinnhuber erläutert Paint-Brush und Foto- Shop, Elisabeth Zistler ist für alle Spezialfragen zu Geräten um Umsetzung immer zur Stelle, Hadwig Kräutler und Gerda Ridler beantworten Anfragen zu Museumsbelangen.
Um ca. 17 Uhr tritt bei einigen SeminarteilnehmerInnen wie auch BetreuerInnen eine "Aufnahmeblockade" ein und aus Mangel an Frischluft entscheiden wir uns für einen "kreativen Spaziergang" ins Zentrum von Altmünster.
Nach dem Abendessen wird wiederum bis ca. 22.30 Uhr mit viel Energie weitergearbeitet. Alle vom BMUkA mitgebrachten CD-Roms und CD-I´s werden durchgespielt, besondere Begeisterung ruft das interaktive Bilderbuch "My grandma and me" hervor.
Samstag vormittags:
Eine Stunde wird in Kleingruppen gearbeitet, um Spezialanfragen zu klären.
Als Abschluß des Seminars wird eine allgemeine Feed-back Runde organisiert, bei der Positives zum Seminarverlauf, wie auch Kritik und persönliches Erleben geschildert werden soll:
Zusammenfassung der Rückmeldungen:
Dieses erste Workshop diente dem persönlichen Kennenlernen, der ersten Projektdefinierung und dem Erfahrungsaustausch mit den BetreuerInnen, in technischer, künstlerischer und inhaltlicher Hinsicht.
Für viele Workshop-TeilnehmerInnen stand die Frage nach den technischen Möglichkeiten und deren Umsetzung im Vordergrund. Die Präsentation der Möglichkeiten und deren fachmännische/frauische Erläuterung wurden als bereichernd beschrieben. Da trotzdem bei vielen noch Unsicherheiten im Umgang mit dem Neuen Medium bestehen, ist eine weitere Hilfestellung wichtig. Die Frage, was von dem hier Gezeigten in der Schule tatsächlich umgesetzt werden kann, wurde gestellt. Das Seminar bot ein reiches Spektrum an neuen Erfahrungen, jeder wird sich Details herausgreifen und für sein eigenes Projekt nützen. Der Vergleich und der Kontakt mit den anderen Projekten ist hilfreich, wichtig und nützlich, nicht um Ideen zu kopieren, sondern sich gegenseiteig anzuregen und zu unterstützen. Die Begeisterung der technischen Möglichkeiten wurde aber auch kritisch reflektiert, da die technische Umsetzung nicht das Wichtigste sein sollte, sondern auch der Projektgestaltung ihr Stellenwert zugewiesen werden sollte. Der Computer ist nicht immer das Werkzeug, das alles beherrscht, die Phantasien der SchülerInnen dürfen dabei keineswegs zu kurz kommen.
Das Neue Medium zeigte auch Grenzen auf. Die herausragende Erkenntnis für einige war, daß die Neuen Medien schnelle Informationsbeschaffung darstellen, aber auch komprimierte Informationen bieten. Das Arbeiten mit diesen Medien wird auch neue Umgangsformen mit sich bringen, als man diese bis jetzt gewohnt war. (z.B. Bücher).
Konkrete Fragen zu musealen Bezügen und künstlerischer Umsetzung werden sicherlich im weiteren Verlaufe des Projektes noch zur Genüge auftreten. Einige TeilnehmerInnen kamen von der eigentlichen/ursprünglichen Projektidee weg, neue Ideen entstanden während des Seminars. Die Einbindung der Kreativität der SchülerInnen darf nicht vergessen werden. Wie immer das Projekt auch verläuft, das Endergebnis und die Prozeßhaftigkeit sind wichtig.
Mit besten Grüßen aus Wien
Protokoll: Gerda Ridler