Seine Bedeutung in der Gegenwart

Salomon Sulzer beschrieb seine Lebensaufgabe in einem Schreiben an den Herausgeber der Monatsschrift so:
„Erst wenn sich „Schir Zion“ wie ein Liebesband um die Herzen aller unserer Glaubensgenossen geschlungen, Sulzers liturgische Gesänge für alle Zonen gleichsam eine Sprache gebildet haben werden, - dann ist mein Ziel erreicht, dann habe ich vor Gott und Menschen Rechtfertigung gefunden.“
Inwiefern hat er sein Ziel erreicht? Hat er vor Gott und den Menschen Rechtfertigung gefunden?
Das Internet bietet die Möglichkeit, „Schir Zion“ kostenlos herunter zu laden und umfangreiche Materialien zur Geschichte der Synagogenmusik sowie Biographien Sulzers nachzulesen. Das „Jewish Theological Seminary of America“, eine bedeutende Ausbildungsstätte für konservative Rabbiner, bietet sogar die Möglichkeit, Kompositionen Sulzers online anzuhören. Anlässlich des 200. Geburtstag Sulzers veranstalteten viele Synagogengemeinden und Ausbildungsstätten Konzerte, um ihn zu ehren.
In den Reformgemeinden Amerikas sind Sulzers Werke noch heute ein fixer Bestandteil des Gottesdienstes. Die zwei großen Strömungen des Judentums in den USA, das „Conservative Movement“ und das „Reform Movement“, haben ihre Wurzeln im Deutschland, des 19. Jahrhunderts. Beide Strömungen beschäftigten sich mit der Musik Sulzers und nahmen diese Tradition nach Amerika mit.
Dass Sulzers Musik in Mitteleuropa nach 1945 an Bedeutung verloren hat, liegt an historischen Gründen. Die Überlebenden, die sich nach 1945 daran beteiligten, die jüdischen Gemeinden wieder aufzubauen, stammten meist aus Osteuropa und bezogen sich auf ihre eigene liturgische Tradition, in der die Werke Sulzers und seinen Zeitgenossen kaum Platz fanden. Auch in Israel sind die Kompositionen eher umstritten, da sie dort von vielen Menschen als „zu deutsch“ betrachtet, und deshalb abgelehnt werden.
In den letzten Jahren nahm im deutschsprachigen Raum jedoch das Interesse an dieser liturgischen Musik des 19. Jahrhunderts wieder zu, was vor allem mit der Rückkehr des Reformjudentums in das Land seines Ursprungs zu tun hat. 
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