»Ich fühle mich in Prinzendorf sehr wohl, aber der Kosmos ist meine Heimat!« (1988)

Schloss Prinzendorf

Allgemeines

Schloss Prinzendorf an der Zaya im niederösterreichischen Weinviertel, Wohn- und Wirkungsstätte von Hermann Nitsch, ist in erster Linie Austragungsort des Orgien-Mysterien-Theaters. Daher bezeichnet der Künstler das Schloss auch oft und gerne als sein „Bayreuth“.

Für seine „neue Form von Theater“ war dieses Schloss mit seiner Weinviertler Umgebung für ihn der ideale Austragungsort. Hermann Nitsch liebt die Weinviertler  Gegend sehr, ist sehr gerne hier und bevorzugt dabei, wie er zitiert: „Gerade diese Tage, wo es so trocken ist und wo der Himmel fast etwas weiß ist. Ich habe diese Hitze fast gerne.“

Schon aus seiner Kindheit kennt Nitsch Schloss Prinzendorf, denn er war als kleines Kind öfter zu Besuch bei Verwandten mütterlicherseits in der Ortschaft Prinzendorf.
1971 konnte Hermann Nitsch das Schloss Prinzendorf von den Klosterneuburger Chorherren erwerben – finanziell ermöglicht durch seine Frau Beate Nitsch, die zu diesem Zeitpunkt eine Erbschaft gemacht hatte, die ungefähr der Kaufsumme von 1 Mio. Schilling entsprach.

„Schloss Prinzendorf hat vergleichsweise wenig gekostet, weniger als eine kleine Garconniere in München.“ (1999)

Das Schloss Prinzendorf war ein Grund, der Hermann Nitsch Anfang der 70er Jahre zur Rückkehr nach Österreich bewegte – nach seinem mehrjährigen und freiwilligen Exil in Deutschland. „Ich fühle mich in Prinzendorf sehr wohl, aber der Kosmos ist meine Heimat.“

 

Austragungsort des „Orgien-Mysterien-Theaters“

Die  Anlage des Schlosses Prinzendorf ist als idealer Austragungsort des O.M.  Theaters vorgegeben. Überall ereignen sich die Erlebnisrituale des Aktionstheaters von Hermann Nitsch. Im Schlossgebäude, in den Stallungen, in der Unterkellerung, in  unterirdischen  Gängen, im Schlosshof, im  Obstgarten, im von einer Mauer umfriedeten, großen Schlosspark und auch außerhalb in der nächsten Umgebung.
Schon als 20jähriger beschäftigte sich Hermann Nitsch Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts mit seiner Theaterkonzeption des Orgien Mysterien Theaters. In vielen seiner theoretischen Schriften setzt er sich mit der Materie und dem Thema rund um seine Theatertheorie auseinander. Z.B. sein fast 1000seitiges Werk „Zur Theorie des Orgien Mysterien Theaters – Zweiter Versuch“ aus dem Jahr 1995. Darin zieht er unter anderem Parallelen von seinem OMT bis hin zu den ersten Ursprüngen der Theatergeschichte, der griechischen Tragödie und deren Wurzeln, den rituellen Festen zu Ehren des Gottes Dionysos. Auch die Bezeichnung Orgien Mysterien Theater stammt bereits aus dieser Zeit und wurde vom jungen Nitsch bewusst ausgesucht. Die Konzeption seines OMT beinhaltet:
Beanspruchung aller 5 Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken)  in seinem Theater
Begriff der Katharsis (= Reinigung)
Einbeziehung christlich, religiöser Themen

Nebenanlagen des Schlosses

Auch die Nebenanlagen des Schlosses, sowie umliegende Kellergassen des Dorfes, Wiesen und Felder, werden in den Ablauf des O.M. Theaters miteinbezogen. In den Wein- und Obstgärten sind  Tische  und  Bänke aufgestellt, die  Spielteilnehmer  sitzen  bei  den Tischen, essen in der milden  Herbst-  und Frühjahrssonne und singen Heurigenlieder  in der warmen mond- oder sternenhellen Sommernacht. Das Drama wird  zum Fest. Ein Fest der Sinne wird gefeiert.

„Das Schloss soll einer Kultstätte des Grals nicht unähnlich sein.“ (1998)

Geschichte des Schlosses

Ein urkundlich bereits 1120 erwähnter Vorgängerbau befand sich an anderer Stelle als das heutige Schloss. Die Planungen zum heute bestehenden Schloss Prinzendorf begannen 1729/30. Dafür verantwortlich zeichneten die Architekten Franz Jänggl und Franz Anton Pilgram. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten zogen sich die Bauarbeiten bis zur Jahrhundertmitte hin. Von 1751 – 1971 war das Schloss und die Herrschaft Prinzendorf in Besitz des Augustinerchorherrenstifts Klosterneuburg. 1945 erlitt das Bauwerk schwere Kriegsschäden.


Autoren

Die Autoren dieses Teils der Homepage sind: Thomas Eisenhut und Patrick Schmatzberger (alle HAK Mistelbach). Markus Polak war leider nicht in der Lage mitzuarbeiten.