absolut projektorientiert
Sandra Haimburger
Gudrun Heiser
Schulmodul Ingeborg Bachmann – Bachmann absolut
eine Projektbeschreibung

In den fünften Klassen (= neunte Schulstufe) des Ingeborg-Bachmann-Gymnasiums ist ein Schulmodul zu der in Klagenfurt geborenen Autorin und Namensgeberin unserer Schule, Ingeborg Bachmann, verpflichtend vorgesehen. Das Ziel eines Ingeborg-Bachmann-Schulmoduls ist einerseits eine intensive Auseinandersetzung mit der Autorin, ihrer Biografie und ihrem Wirken, andererseits werden im Zuge dessen auch zahlreiche Arbeits-Methoden und Kompetenzen ausgebildet und trainiert wie etwa eine gezielte Internet-Recherche, genaues und interpretierendes Lesen, das Vernetzen von Informationen, Übertragen von (Lese)erfahrungen auf den ganz persönlichen Bereich der SchülerInnen, autobiografisches Schreiben, Ausbildung von Sozialkompetenz durch das Arbeiten in Gruppen, Präsentationstechniken etc.
Als Lektüre-Grundlage diente hierzu ihre Erzählung Jugend in einer österreichischen Stadt. Zusätzlich zum Modul erklärte sich die 5A-Klasse mit ihren beiden Deutschlehrerinnen Prof. Mag. Gudrun Heiser und Prof. Mag. Sandra Haimburger bereit, am Wettbewerb Bachmann absolut, an dem Museen und Kultureinrichtungen sowie andere Schulen teilnahmen, zu beteiligen.
Die 5A-Klasse wurde in diesem Schuljahr im Gegenstand Deutsch geteilt. Den gemeinsamen Einstieg beider Deutsch-Gruppen bildete eine Wanderung auf den Spuren von Ingeborg Bachmann, welche von den schuleigenen Bachmann-Guides organisiert wurde . Bachmann- Guides sind SchülerInnen, die eigens dafür ausgebildet sind, SchülerInnen dieser oder anderer Schulen sowie Gästen von außen in das Leben und Werk der Autorin einzuführen. Auf diesem Wege erhielten die SchülerInnen von – was ich für sehr wichtig für die Auseinandersetzung mit der Autorin halte – von „Ihresgleichen“ zahlreiche „Grundinformationen“ zur Biographie und dem Werk der Autorin. Dass diese Annäherung von 17-jährigen SchülerInnen gestaltet wurden, halte ich aus dem Grund für ungemein hilfreich, da so die Schwellenangst in Bezug auf die Auseinandersetzung ein wenig gemildert wurde, denn ich ging davon aus, dass die 14- bis 15-jährigen SchülerInnen über sehr geringe, um nicht zu sagen gar keine Kenntnisse über die Autorin verfügten.
Als nächsten Schritt bearbeitete meine Deutschgruppe die Zeit, in der die Autorin gelebt hatte, da oft die Kenntnis der Zeit und Lebensumstände, in denen ein Autor/eine Autorin gewirkt hat, die Auseinandersetzung ungemein erleichtern kann . Zu diesem Zweck teilte ich die Gruppe in fünf Gruppen à 3 SchülerInnen ein und bat sie, die Themenbereiche Geschichte, Werk, Mode und Lifestyle, Kunst und Musik in der Zeit von 1930-1970 sowie den Bereich der Nachwirkungen der Autorin (Tage der deutschsprachigen Literatur, Wie kommt die Schule zu ihrem Namen? Ingeborg-Bachmann-Junior-Literaturwettbewerb) zu bearbeiten. Zu diesen Themenbereichen mussten die SchülerInnen jeweils ein Handout vorbereiten und in einer „Expertenrunde“ ihre MitschülerInnen über die einzelnen Themenschwerpunkte „unterrichten“.
Parallel gab ich meiner Deutschgruppe einen relativ detaillierten Überblick über Ingeborg Bachmanns Biografie , ohne den ihr Werk wohl schwerlich verstanden werden kann. Die Erzählung Jugend in einer österreichischen Stadt wurde im Anschluss daran gelesen und jene Textpassagen gemeinsam besprochen, bei denen (Verständnis)Schwierigkeiten auftraten . Im Anschluss dazu schrieb die 5A-Klasse eine Schularbeit über die Thematik der Erzählung. Die SchülerInnen meiner Deutsch-Gruppe wurden dabei aufgefordert, ihre ganz persönliche Jugend in einer österreichischen Stadt namens Klagenfurt zu beschreiben. Dabei gingen die Jugendlichen in erster Linie auf die Themen Erziehung, Schulalltag, Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, Jugendkultur und Zukunftsvisionen ein.
Gemeinsam mit Kollegin Heiser absolvierte die 5A-Klasse den Themenblock „Österreich im Nationalsozialismus“. Dazu gestaltete Frau Dr. Nadja Danglmaier von der Universität Klagenfurt einen Workshop an unserer Schule.
Im ersten Teil des Workshops wurden zahlreiche Begriffe zum Themenkreis Nationalsozialismus geklärt. Im zweiten Teil begaben wir uns auf die Spuren des Nationalsozialismus in Klagenfurt und besuchten neuralgische Orte der Landeshauptstadt wie etwa den Ort, an dem das ehemalige jüdische Gebetshaus stand oder das MMKK (Museum für moderne Kunst Kärnten), das frühere Gestapo-Hauptquartier in der Burggasse.
Unsere Zielsetzung war, das Bewusstsein der Jugendlichen dahingehend zu schärfen, dass der Nationalsozialismus in Kärnten eine spezielle Mission zu erfüllen hatte, nämlich neben der jüdischen Bevölkerung (die zahlenmäßig weitaus nicht so stark vertreten war) vor allem die slowenische Bevölkerung auszulöschen .
Der Film Hitlers Österreich, der Hitlers rasche Machtergreifung in Österreich 1938 zum Thema hat, rundete diesen Themenblock ab. Um das Wissen der Schüler zu festigen, gab es sowohl für den Workshop als auch für den Film Arbeitsauträge zu erledigen.
Als Schluss und Höhepunkt ist wohl der eigentliche Modultag und die daran anschließende Schreibwerkstatt zu bezeichnen. Als zusätzliche Lektüre diente die Erzählung Probleme Probleme, die in Hinblick auf die Mode und den Lifestyle der damaligen Zeit bearbeitet wurde.
Am Modultag selbst wurden die Jugendlichen dazu aufgefordert, ihr Wissen über das Leben und Werk Ingeborg Bachmanns bzw. über die Zeit des Nationalsozialismus in diversen Arbeitsauträgen abzurufen, zu vernetzen und kreativ zu verwerten, beispielsweise in Mind Maps über die Autorin, einer Lebenskurve mit diversen Hoch- und Tiefpunkten im Leben Ingeborg Bachmanns sowie die Gestaltung einer janusköpfigen Umrissfigur, die die Zerrissenheit und Ambivalenz der Autorin illustrierte. Das Thema Mode und Lifestyle fand seinen Niederschlag in einer Collage/Textmontage zur Erzählung Probleme Probleme, die mit Hilfe von Zitaten aus dem Text und zahlreichen Fotos gestaltet wurde. Eine Reflexion über das am Modultag geleistete und gelernte in Form einer Hausarbeit bildete den erfolgreichen Abschluss desselben.
In der am nächsten Schultag in Koordination mit dem Schreibcenter der Universität Klagenfurt abgehaltenen Schreibwerkstatt versuchten sich die SchülerInnen selbst im (kreativen) Schreiben von Texten. Ziel dieses Projekttages war es, das eigene Schreiben als kreativen Prozess zu erkennen, den Umgang mit Schreibblockaden zu erlernen sowie Erfahrungen mit den verschiedensten Schreibimpulsen zu sammeln und das Produzieren von Texten in Schreibgruppen zu erfahren.
Quellenverzeichnis:
- Vergleiche dazu: Schülerinnen führen SchülerInnen – Bericht der Bachmannguides der 7B-Klasse
- Vergleiche dazu: Arbeitsblätter: Gruppenarbeiten zu Ingeborg Bachmann und ihrer Zeit
- Vergleiche dazu: Arbeitsblätter: Ingeborg Bachmann – Biographischer Überblick
- Vergleiche dazu: Arbeitsblätter: Ingeborg Bachmann: Jugend in einer österreichischen Stadt
- Vergleiche dazu Textbeispiele: Ingeborg Bachmann: Jugend in einer österreichischen Stadt –Beschreibe deine Jugend in einer österreichischen Stadt
- Vergleiche dazu Textbeispiele: Orte der nationalasozialistischen Gewalt in Klagenfurt. Feedbacks der SchülerInnen der 5A- Klasse anlässlich der Spurensuche am 28. 4. 2008
- Vergleiche dazu: Schulmodul Ingeborg Bachmann – Tagesordnung und
Eindeutig zweideutige Ingeborg Bachmann - Vergleiche dazu: Arbeitsblätter: Ingeborg Bachmann – Probleme Probleme
- Vergleiche dazu: …..ab jetzt bin ich ein großer Freund vom Schreiben
