absolut fortsetzung folgt

Gudrun Heiser

Bachmann Guides – die dritte Generation scharrt schon in den Löchern!

„Findet ihr nicht, dass Alle Tage von Ingeborg Bachmann auch heute noch so geschrieben werden kann. Krieg findet genauso statt: überall, unerklärt, auf Kosten der Schwachen. Wir spielen euch jetzt einer DVD vor, ihr könnt die Autorin beim Lesen selbst erleben“, teilt Florian aus der Indoorgruppe den 15-Jährigen mit.
Im April bei 30 Grad im Schatten schleppen sich 30 Jugendliche auf der Suche nach Orten des Nationalsozialismus durch Klagenfurt. „Ich hätte nie gedacht, dass es auch in Klagenfurt ein Außenlager des KZ.s Mauthausen gab!“
„Eigentlich eigenartig, dass in so vielen Interviews mit unseren Eltern steht: Wir haben als Jugendliche weder von den Eltern noch in der Schule von den Gräuel im Dritten Reich gehört, das GESTAPO-Hauptquartier liegt doch mitten in Klagenfurt.“

Schüler bereiten die Schreibwerkstatt vor

SchülerInnen der 7B und 5A-Klasse, belauscht von ihrer Lehrerin, die die 15-Jährigen als nächste Bachmannguides trainiert. Schwerpunkt soll für die nächsten Guides neben der Biographie Ingeborg Bachmanns verknüpft mit ihren Werken der Alltag von Jugendlichen während des Dritten Reiches sein, so wie ihn Ingeborg Bachmann auch erlebt hat. Doch Vergangenes ist oft so fern! Also werden zu diesem Thema auch Eltern, Großeltern und Urgroßeltern befragt, Filme wie Hitlers Österreich, Die Welle oder Der Kärntner spricht deutsch angesehen, im Stadttheater Ghetto besucht, Tageszeitung nach Berichten zum 12. März 1938 durchsucht, mit Nadja Danglmaier die Orte des Nationalsozialismus in Klagenfurt erforscht und selbstverständlich Texte von Ingeborg Bachmann gelesen. Schreibt sie doch immer wieder gegen die Verharmlosung von Kriegen und ihren Ursachen an, sei es, als viele anderen die Rolle österreichischen Täter im Dritten Reich verleugnen, sei es zu Themen wie Wiederaufrüstung und Vietnamkrieg oder zum alltäglich „Krieg“ zwischen Mann und Frau. Das Engagement der Jugendlichen ist groß und all ihr Wissen zu Ingeborg Bachmann und ihrer Zeit fließt ein in Collagen, Plakaten, Lebenskurven, Mindmaps oder Sprechblasentexten. – in Texten und Bildern fürs Internet – in das Buch …wo ihnen die Augen aufgehen.

Letztendlich stellen sich auch die 15-Jährigen dem Schreiben selbst. Carmen Mertlitsch, Kathie Perschak und Isabell Brugger, vom Schreibzentrum der Alpe Adria Universität Klagenfurt, entwickeln zusammen mit den SchülerInnen Clara Meierhofer, Laura Rausch und Sebastian Kuttnig das Programm. Aufgewärmt von Akrostichons und Rückentexten mit Komplimenten, die MitschülerInnen einem geschenkt haben, beginnt das Schreiben zu einem Bild von Ingeborg Bachmann. Schreibprozesse in Gang zu setzen ist das Ziel des Tages. Sollen doch schlussendlich Kurzgeschichten, Krimis, Innere Monologe, Briefe, Reportagen oder Comics zu den Bachmann -Themen Zerstörte Jugend, Unerwiderte Liebe, Todesarten oder Das andere Geschlecht entstehen. Die Begeisterung des Vorbereitungsteam steckt auch die anderen an. „Ab jetzt bin ich ein Freund des Schreibens“, fasst Jasmin den Tag zusammen.