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geschichte und idee

Wann und warum wurde die Idee des Bachmann-Projekts geschaffen?

Im Schuljahr 2002/03 hatte ich zwei 7. Klassen, die sehr gerne projektartig zu Literatur arbeiteten. Zuerst bekamen sie Textsammlungen zu den Kärntner Autoren und auch zu Ingeborg Bachmann, daraus entstanden dann das Literaturcafe und später auch die ersten Führungen.
Damals gab es ein Jahresprojekt am Ingeborg Bachmann Gymnasium zum Thema „Schule macht Bildung“. Die Idee des Bachmann-Projekts mit der ersten Wanderung entstand durch die Zusammenarbeit der Literaturbegeisterten 7A und 7B und mir. Wir wollten im Rahmen des Jahresthemas etwas zu unserer Namensgeberin machen.1

Gudrun Heiser

Das Ingeborg Bachmann Gymnasium startete mit Schulen aus Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn das Projekt: „Regional Culture. Identity in the Past, Identity for the Future” als Comeniusprojekt. Der Schwerpunkt lag in der internationalen Zusammenarbeit. Dieses Projekt dauerte von 2001 bis März 2005 und endete mit einem Treffen in Krakau und einer Präsentation der Führungen durch die Schüler der damaligen 7A.

Was war das Comenius- Projekt?

Viktor un Tonja die ersten Guides

Das Comenius- Projekt war ein EU weites Bildungs- und Kulturprojekt. Als Österreich zum ersten Mal die EU-Präsidentschaft inne hatte, wurde das bislang nur in der EU bestehende Comenius- Projekt auf die damaligen Beitrittskandidaten ausgeweitet.
In Wien fand eine österreichweite Veranstaltung dafür statt, und da Kollegin Waldhauser und Kollege Kastner beschäftigt waren, fuhr ich hinaus. Dort entstand eine Zusammenarbeit mit Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn zum Thema: Regional Culture. Identity in the Past, Identity in the Future. Der Schwerpunkt unserer Schule lag im literarischen Bereich.
Die Schlussveranstaltung fand im Schuljahr 2005/06 in Krakau statt.2

Gudrun Heiser

 

Von den Schülern und Schülerinnen der 7A wurde im Schuljahr 2001/02 „Der gute Gott von Manhattan“ am Ingeborg Bachmann Gymnasium aufgeführt.
Währenddessen wurde die Broschüre „hinter den bergen“ von der 7B veröffentlicht.

Impressionen zum Comenuis- Projekt:

Und auch wenn die Unwissenheit über die eigene Stadt oft im Wege stand, war es doch ein Riesenspaß, mit freundlichen & lieben Leuten unterwegs zu sein. Vollkommen egal, dass du ihre Sprache nicht verstanden hast. Egal, dass du sie eigentlich oft nicht verstanden hast. Du hast Hände, du hast Füße, du hast eine Sprache, die euch verbindet: Die Sprache Mensch.3

Tonja Schwenner

Es gab für mich sehr viele schöne Momente, ich kann gar nicht alle aufzählen.
Besonders toll fand ich, dass die ausländischen Schülerinnen ein wunderschönes Gedicht auf der Grundlage von Bachmanns Gedicht „Schatten Rosen Schatten“ verfasst haben. Jeder hat weitergeschrieben und -gedichtet und jeder Vers wurde in einer anderen Sprache verfasst.4

Gudrun Heiser

 

„Shadow Studna Shadow
Shadow Everywhere
People
Shadow
One Studna
Between Studna
Shadow
Noise
But Everywhere Shadow
Cold Stone
Hard Stones
Wet Moos
Shadow
Studna
Moos“

… und dann kam das Europaprojekt in der sechsten, also das Comenius- Projekt. Den Bachmannweg übernahmen wir von der achten Klasse, doch wir formten ihn um. Wir beschlossen, wir machen einen anderen Weg daraus, und so erstellten wir unseren eigenen das erste Mal, das wir dann führten, als wegen des Comenius- Projektes die Schüler aus Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn und Slowenien zu uns nach Klagenfurt kamen.5

Tonja und Tina

die Wanderung kann nachgelesen werdenNach dem Comenius- Projekt wurden am IBG weiterhin Führungen gemacht. Im Schuljahr 2004/05 wurde innerhalb der Broschüre „Eine alphabetische Orientierung“ die Wanderung von den SchülerInnen der 7B neu ausgearbeitet. Ingeborg Bachmann von A bis Z, ausgearbeitet von der Wahlpflichtfachgruppe 2001/2002, soll wie ein Kompass die interessantesten Anhaltspunkte der Autorin aufzeigen. Diese teils kritische, teils belehrende Auseinandersetzung mit ihrer Welt ist als Wegweiser und Hilfe für alle Neugierigen geeignet, um sie schnell und elementar zu erfassen.

Und hat das Projekt euch bei Bachmanns Texten irgendwie weitergeholfen, habt ihr jetzt ein anderes Verständnis dafür?

Also ich glaube, wir wissen über kaum einen anderen Autor so viel wie über Ingeborg Bachmann und das trägt sicher dazu bei, dass man Texte anders verstehen kann, aber ich glaube wir sind uns echt einig, dass man dafür ein gewisses Alter braucht. In der fünften Klasse war das sicher nicht so einfach wie später dann, weil ihre Texte doch schwer zu verstehen sind. Aber wenn ihr dann einmal einundzwanzig seid und einen Text von Ingeborg Bachmann lest, denkt ihr euch vielleicht: Ja, jetzt verstehe ich es! 6

Tonja und Tina

Der nächste Schritt war dann meine Idee: Weil wir ja das Peer-System an unserer Schule haben, d.h. Schüler arbeiten für Schüler, wie z.B. Mediation- und Aids-Peers, sollten wir auch Bachmann-Peers bekommen. Der nächste Schritt war, dass wir gemeinsam mit den Schülern bzw. mit Frau Prof. Heiser, begonnen haben, Stationen auszusuchen und passende Texte aus dem Werk Bachmanns auszuwählen. Das war der aufregendste, lustvollste, aber auch zeitintensivste Teil der Arbeit. Als nächstes wurde alles dokumentiert und in die Alphabetische Orientierung aufgenommen.7

Christa Waldhauser

2005/06 wurde das Projekt von den SchülerInnen der damaligen 7A übernommen. Sie führten auch ein Interview mit Bella Ban.

Interview mit Bella BanWelche Einstellung haben Sie zu Ingeborg Bachmann?

Eine sehr positive. Mein Halbbruder Gert hat sie sogar getroffen. Das witzige war, dass beide sehr verschlossen waren/sind und deswegen haben sie sich gut verstanden. Ich habe durch meinen Halbbruder immer schon sehr viel von Bachmann gehört.8

Bella Ban

Am 24.05.2006 kamen wir zum ersten Mal mit Bachmann-Führungen in Berührung. Wir wurden von der damaligen 7A geführt. Unsere Deutsch-Professorin Christa Waldhauser, die diese Führung organisiert hatte, deutete schon im Unterricht an, dass wir das Projekt übernehmen werden.
Im nächsten Schuljahr begannen wir sofort uns intensiv mit Ingeborg Bachmanns Texten und Gedichten auseinanderzusetzen und alles über ihr Leben, hauptsächlich aus dem Buch „Bilder aus ihrem Leben“ und der Broschüre „Alphabetische Orientierung“, herauszufinden.

Von uns wurde das Indoor- Programm fertig ausgearbeitet. Eine Schülergruppe bleibt im Schulgebäude und bietet eine virtuelle Führung für Schüler an, die nicht wandern wollen/können, oder übernimmt die Führungen für alle bei Schlechtwetter.

Nach einem halben Jahr, am 14.03.2007, durften wir zum ersten Mal eine Klasse führen, nämlich die 1C des IBG. Wir waren sehr aufgeregt, weil wir nicht wussten, ob wir es schaffen werden, den „Kleinen“ Ingeborg Bachmann näher zu bringen. Doch zu unserer Verwunderung waren sie sehr aufmerksam und nahmen die Informationen gut auf.

Obwohl uns das Führen sehr viel Spaß machte, führten wir die nächste Klasse erst ein halbes Jahr später. Am 04.12.2007 machten wir eine Führung mit der 1A des IBG. Wir führten auch noch Schülerinnen aus der WIMO…

Besonders faszinierte mich bei euch, dass ihr euch, laut Frau Professor Rohsmann und Herrn Dr. Strempfl, trotz falscher Informationen über den Wissensstand der Schüler des WIMO, sehr gut auf die Situation eingestellt habt und somit nicht nur eure fachliche, sondern auch eure soziale Kompetenz unter Beweis gestellt habt. Dadurch hat sich für mich bestätigt, dass ihr euch die nötigen Soft-Skills, während eurer Arbeit als Bachmann-Guides angeeignet habt.9

Christa Waldhauser

…und die 5A des IBG, die das Projekt im nächsten Schuljahr übernehmen wird.

Für heuer haben wir geplant, die Übergabe an die diesjährige fünfte Klasse noch professioneller zu gestalten. Mit gemeinsamen Arbeiten wollen wir erreichen, dass sich das Projekt noch weiter entwickelt und nie stehen bleibt.10

Christa Waldhauser

Eine weitere Führung ist für 13.06.2008 mit der 6A des IBG geplant.

Fußnoten

1 Maria Schrenk: Interview mit Gudrun Heiser. 06.05.2008, 7B des IBG.
2 Ebda.
3 Tonja Schwenner. Eine Impression zum Comenius- Projekt. Eine? Nein, tausende.
4 Maria Schrenk: Interview mit Gudrun Heiser. 06.05.2008, 7B des IBG.
5 Simone Salmina und Karin Pirker: Interview mit Tonja Schwenner und Tina Tossoni. 06.05.2008, „Roberts“ Klagenfurt.
6 Ebda.
7 Simone Salmina: Interview mit Frau Prof. Waldhauser. 06.05.2008, Bibliothek des IBG.
8 Anna Biedermann und Elisabeth Kette: Interview mit Bella Ban.20.03.2006, 14:00 – 14:45, Wulfengasse14, Klagenfurt.
9 Simone Salmina : Interview mit Frau Prof. Waldhauser. 06.05.2008, Bibliothek des IBG.
10 Ebda.