absolut zeitgemäss

Ingeborg Bachmann für alle Fälle !

Querdenken, Spontaneität und Aktionismus wurden bei einem Fotoworkshop in der WI´MO geprobt. Viele der Fotos entstanden in sonst verschlossenen Schutzräumen. Für Krisenfälle gilt also: nicht ohne Bachmann ! Die spezielle Notfallsausrüstung sollte im Bedarfsfall Sicherheit vor Giftgasangriffen bieten. Die benützten Werkzeuge, Telefone, Leitern, Gummimäntel etc. sind Teil des Notfallinventars. Die benützten Schulbänke befinden sich im Luftschutzkeller des 2. Weltkrieges. Wie man Ingeborg Bachmann auch in unkonventionellen Körperhaltungen lesen kann zeigen die SchülerInnen in den Turnsälen.

Der Fotoworkshop fand unter der Leitung der Künstlerin Ina Loitzl statt. Impulsgebend für die künstlerische Auseinandersetzung waren die "One minute sculptures" des österreichischen Bildhauers Erwin Wurm und die Schriftbilder der iranisches Künstlerin Shirin Neshat.

Mit Ingeborg Bachmann ins 3. Jahrtausend

Neue Fragen, neue Antworten? Wie aktuell sind die Themen der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu Beginn des 3. Jahrtausends? Wie könnte es gelingen, Neugier auf Literatur zu wecken, bei einer Generation, deren beliebtestes Kommunikationsmittel das Handy ist? Wäre es denkbar, dass Kärnten in Zukunft nicht mehr das Schlusslicht hinsichtlich des Leseverhaltens unter den österreichischen Bundesländern darstellt, wenn sich „Leselust“ bei Jugendlichen einstellt, weil sie erkennen, dass die Themen der Literatur auch ihre Lebenswelten berühren?

Ingeborg Bachmann sah die Aufgabe des Dichters darin, seine Zeit zu repräsentieren - und etwas zu präsentieren, für das die Zeit noch nicht gekommen ist. Die Gesellschaft sollte durch eine neue Dichtung zu einem neuen Bewusstsein kommen. Die Dichtung ist da. Was fehlt, ist noch der barrierefreie Zugang.

Am Dienstag, den 29. April 2008, begaben sich die SchülerInnen der WI´MO Klagenfurt anlässlich des Anschlusses Österreichs an Hitler-Deutschland im Jahre 1938 auf die Spuren der Heimatvertriebenen Ingeborg Bachmann.

Die Autorin war nach der Matura Schülerin der LehrerInnenbildungsanstalt, in der sich heute die Lehranstalten für Wirtschaft und Mode (WI´MO) befinden. Im Keller dieses Gebäudes befindet sich der Luftschutzkeller, in den die SchülerInnen 1944/45 während des Unterrichtes bei Bombenalarm flüchteten. Angriffsziel war eine Tabakfabrik, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule befand und in der Teile von Kampfflugzeugen hergestellt wurden. Ein viel zitiertes Schlüsselerlebnis von Ingeborg Bachmann lautet: „Es hat einen bestimmten Moment gegeben, der hat meine Kindheit zertrümmert. Der Einmarsch von Hitlers Truppen in Klagenfurt.“

Im Jahr 2008, in dem sich zahlreiche Gedenkveranstaltungen mit der Wiedergutmachung an den Heimatvertriebenen beschäftigen, wurde von den WI´MO eine Stadterkundung mit Mag. Dr. Nadja Danglmaier unternommen. Ziel der Erkundung war es Spuren, welche die Zeit des Nationalsozialismus in Klagenfurt hinterlassen hat, ausfindig zu machen. In diesem Zusammenhang kam es auch zu einem Interview mit der Zeitzeugin Klothilde Nußbaumer.

Ein weiteres Ziel war die Aktualisierung der Fragestellungen von Ingeborg Bachmann zu zentralen Themen, wie z.B. Gewalt, Interkulturalität, Emanzipation, Beziehungen im 3. Jahrtausend, und Aufbereitung dieser Themen im Rahmen einer Schreibwerkstatt.

Bänke aus Ingeborg Bachmanns Schulzeit

 

Christina Hipp, 4CHW

Nora Steinbach, 4 CHW

Dora Trohar, 5 AHM

Verena Valentin, 4 BHW

Patrick Watzin, 4 CHW

Dieses Projekt wurde initiiert und begleitet von Dr. Roxanne Rohsmann und unterstützt von Mag. Eveline Wernitznig, Mag. Elke Anderwald und Mag. Peter Braumandl.