M:O MUSEUM ONLINEACHTUNG: Sie befinden sich im Museum-Online-Archiv 2005. Die Inhalte dieser Seite sind unter Umständen nicht mehr aktuell.

„NICHTINSDUNKEL“
Kunst und Behinderung


1.ASO Klasse der Allg. Sonderschule Langenstein, Pädagogisches Zentrum Perg
A4222 Langenstein, Schulstraße 6 – pzperg@gmx.at

Partnerorganisationen
Ars electronica Center Linz,CMC HS Ried/RM, • Museumonline, • www.cyberschool.at

Die Allgemeine Sonderschule Langenstein im Bezirk Perg Oberoesterreich ist eine Schule, die versucht, mit modernen Methoden der Behindertenpädagogík Kindern eine neue Chance zu geben.
Kinder, die zu uns kommen, sind meist in ihrer persönlichen und schulischen Laufbahn einmal gescheitert und wir versuchen ihnen neue Perspektiven zu geben.
Dazu sind verschiedene Voraussetzungen notwendig:
Verkleinerte Gruppenstrukturen, ein pädagogisches Personal, das sich inhaltlich und mental mit dem Kind auseinandersetzen will und natürlich Kinder, die bereit sind, diesen Prozess mitzugehen.
Es sind unterschiedlichste Kinder in der Klasse. Methodisch wurde umgestellt auf das System einer virtuellen Klasse, d.h. jedem Kind steht an seinem Lernplatz ein Computer mit Internetanschluss und geeigneten Lernprogrammen zur Verfügung.
Der Klassenlehrer Herr Leopoldseder hat innerhalb kürzester Zeit ein beispielgebendes Konzept entwickelt, das den Kindern Rechnung trägt. Alle modernen Varianten einer individualisierten Behindertenpädagogik kommen zum Einsatz:
Innere Differenzierung und Individualisierung, was z.B. heißt, dass sich jedes Kind in einer anderem Lehrplanstufe befindet, die Lehrpläne sind entweder VS Lehrplan oder ASO Lehrplan. Genau dieser Aspekt, des individuellen Eingehens ist eine Stärke (des Computers), erfordert aber immensen Arbeitsaufwand seitens des planenden Lehrers.
Der pädagogisch-soziale Prozess wird von SchulhelferInnen, die zum Teil in der Klasse sind untertstützt.
Diese SchulassistentInnen
• Frau Schindelar Renate
• Frau Silvia Aigner und
• Frau Scharrer Ottilie sind mit (geringen) Stundenkontingenten individuellen SchülerInnen zugeordnet, um deren Lern- und Erziehungsprobleme unter Anleitung des Klassenlehrers zu bearbeiten.
Daneben gibt es
Musiktherapie
• Ergotherapie,
• Sprachheiltherapie
• Einen Pränatalraum und
• stark projektorientiertes Lernen mit Schullandwochen und handelnd-aktionaler Pädagogik.

Ein sehr wichtiger Teil, der seinen Höhepunkt im „NICHTINSDUNKEL“ Projekt nunmehr gefunden hat, ist der Zugang via Kunst und bildnerischem Gestalten – computergestützt!

Projektablauf


Im Rahmen des Bildnerischen Unterrichts wurden die Kinder gebeten, sich mit Zeichenprogrammen auseinanderzusetzen. Die Motivation dafür ist ohnedies sehr hoch und da die erforderliche Hard- und Software vorhanden war, ein Leichtes für alle Kinder.
Kein informatikorientierter Unterricht, dies ist sehr wichtig, sondern ein freies Experimentieren mit Zeichenprogrammen ist wesentlich. Es wird nicht ein Programm gelehrt, wie es leider in tausenden Kursen passiert, sondern ein „trial and error“ Lernen implementiert, das dem einzelnen alle Freiräume lässt. Eingesetzt wurden Paint (windows) und Photoshop. Nur unbedingt notwendige Teile der Bildkategorien und Dateitypen (jpeg, bmp) wurden praktisch besprochen.
Die Recherche im Internet, welche Künstler sind für mich relevant und interessant, war selbstverständlich, die Kinder sind längst gewohnt das Internet z.Teil sogar virtuos zu bedienen, unabhängig von ihrer Behinderungsart.

Projektziel


Das Ziel des Projekts ist die eigenverantwortliche Auseinandersetzung mit meiner Zeichnung, mit den Großen der Kunst und die Kombination von diesen Aspekten zusammenfließend in einer Symbiose im Internet.
Pädagogisch ist eine konstruktivistische Weltsicht wesentlich.
• Welchen Eindruck macht ein Bild auf mich?
• Wer zeichnete ähnlich wie ich?
• Was verändert sich, wenn das Bild sich zu bewegen beginnt,?
• Welche Ausdrucksformen werden – im Vergleich zu konventionellen Methoden – erweitert?
• Welchen Bildeindruck nehme ich mit, wenn das Bild plötzlich mit weltberühmten Originalen verschmilzt?
• Wie sehen andere mein Werk?
• Welches Gefühl entsteht, wenn plötzlich tausende das betrachten können?
• Natürlich ist auch eine ganz banale Computerhandlingsabsicht damit verbunden, steht aber nie im Vordergrund.
In dieser Alterstufe ist natürlich auch das genuine Herangehen an Namen wie Michelangelo, Andy Warhol, oder z.B. Eric Clapton mit seinem „tears in heaven“, das ja die Tragödie eines Kindes besingt, ein wichtiger Prozess.

Lernprozesse


• Arbeiten mit Zeichenprogrammen
• Arbeiten mit Desigenrprogrammen
Digitalbilder machen
Verfremden von Digitalbildern
Recherchieren im Netz
• Kennenlernen berühmter Künstler
• Symbiosen und Anpassungen Musik-Bild
Multimediales Ziel, also Kombination möglichst vieler Sinne
• Sprechen über das eigene Werk
• Gefühl für virtuelle Kunst entwickeln
Möglichkeiten andenken, was virtuelle Kunst sein kann

Herausforderung


Die Herausforderungen waren vor allem pädagogischer Art, obwohl es eigentlich Zeichen- und Malprogramm seit Bestehen des Computers in Hülle und Fülle gibt, gibt es kaum methodisch-didaktische Konzepte, diese auch sinnvoll einzusetzen.
Die Anfangsängste und Berührungsproblematik ist bei uns längst überwunden, es geht in erster Linie um einen sinnvollen Einsatz des Geräts, als (künstlerisches) Werkzeug.
Bewusst erfolgt dies auch deswegen, weil immer zu sehr kopflastig der Computer eingesetzt wird. Die übliche Einsatzschiene, z.B.: nur des ECDL mit Büroprogrammen ist gerade bei behinderten Kindern dieser Alterstufe kein sinnvoller Weg. Gefördert werden muss der multimediale Zugang werden.
Was kann ich sinnvoll mit den Bildmöglichkeiten anfangen, wenn das „Symbollesen“ dem Kind so sehr Probleme macht?
Gibt es tragbare Varianten, um Musik im Lernprozess einzusetzen?
Insgesamt muss der Weg von der Alphabetisierung herkömmlicher Art zur Bildalphabetisierung zur Computeralphabetisierung in der ganzen Bandbreite gehen. Die Kinder mit handicaps zeigen es ja sehr deutlich, dass der lineare eindimensionale Weg des herkömmlichen Lernens eine Sackgasse für sie war.
Die Neuigkeit diese multimedialen Lernprozesse zu beschreiten ist ein unendlich wichtiger Vorgang per se.

Arbeitsverteilung, Durchführung


Die Arbeitsweise ist geprägt durch Versuch und Irrtum. Ständiges Experimentieren, Entdecken und Verwerfen neuer Lösungen. Einfachste Computerbedienung bis zur punktuellen Entdeckung neuer Features bei Digitalkameras oder im Internet sind dabei ständig wechselnde Methoden.
Auch der Lehrer ist dabei ein permanent Lernender, sowohl was den technischen Zugang betrifft als auch die künstlerischen Aspekte. Da es sich um ein erstmaliges pionierhaftes Vorgehen handelt, ist auch das Ergebnis vollkommen offen. Es regt auch an, weiterzumachen, zuhause und ich glaube noch nie wurde die eigene Zeichnung nachher so oft und so häufig betrachtet wie jetzt – ablesbar an den Klickraten der Domain.
Das so wichtige Gefühl, „ICH“ habe etwas zusammengebracht, „ICH“ bin im Internet ist immens wichtig, zumal es ja eine Ausnahmestellung ist – trotz der Tatsache, dass ich in eine Sonderschule gehe, dass ich behindert (genannt) werde.

Einsatz im Unterricht


Im Sinne eines Trends, der sagt, dass Jugendliche die Neuen Medien längst zum Alltagsinstrumentarium haben, wäre ein vermehrter Einsatz solcher Strategien enorm wichtig. Es besteht die Gefahr, dass die herkömmliche Pädagogik sich immer mehr von den Lebenswirklichkeiten der Kinder abkoppelt, mit dem Effekt, dass der Lehrer eines Tages zum verzopften und uninteressantesten Medium wird. Erst wenn wir wieder in diese Lebenswelten der Kinder eintauchen und sie dort abholen, was auch heißt, ihnen die Gefahren vor Augen zu halten, wird eine wirkliche Schulentwicklung stattfinden.

 

Öffentlichkeitsarbeit

Besteht hauptsächlich im Internet über die homepage, es wird aber auch versucht, in der lokalen Presse Gehör zu finden. Ideal wäre es, dafür fehlen aber die Mittel, in Hörfunk und TV reinzukommen. Der Standard hat bereits Interesse an einem Interview signalisiert. Verlinkungen, Serienmails usw. also Möglichkeiten, die das Internet bietet, werden konsequent eingesetzt.

Kommentar

Die Bewertung überlassen wir den Besuchern und ersuchen um Eintragungen ins Gästebuch:

Zusammenfassung

Insgesamt ist es ein sehr erfolgreiches Projekt, das allen Beteiligten spannende Lernzuwächse gebracht hat und fortgesetzt werden soll. Die Möglichkeiten dieses Weges sind bei weitem noch nicht ausgereizt, ganz im Gegenteil, sie stehen erst am Anfang, inhaltlich aber auch was die regionale Verbreitung betrifft.

Jeder, der dazu etwas beitragen kann und will, ist eingeladen, sich mit uns in Kontakt zu setzen.

Danke, allen, die uns in der Sache unterstützen!