Der hl. Ägidius
Unter den
14 Nothelfern bildet er eine Ausnahme. Als einziger starb er nicht den
Märtyrertod. Sein Fest wird am 1. September gefeiert, ein wichtiger Lostag.
40 Tage lang richtet sich das Wetter nach dem des 1. September. An diesem
Tag war das bäuerliche Jahr war zu Ende und es musste der Zehent abgeliefert
werden.
Er wird zum Nothelfer in großer geistiger Not, bei Aussatz und Pest, auch
bei Krebs und Unfruchtbarkeit. In der Hauptsache war er aber Vieh- und
Wetterpatron. Als solcher wird er auch bei uns in Anger besonders verehrt.
Ihm sind in der Steiermark der Grazer Dom und die Pfarrkirche in Altaussee
geweiht. Sein Patrozinium war vor allem entlang bedeutender Handelswege
beliebt. Nach der Legende soll er aus Athen gekommen sein und an der Rhonemündung
als Einsiedler gelebt haben. Der westgotische König Flavius habe auf einer
Jagd nach einer Hirschkuh gezielt, die dem Einsiedler Milch gespendet
habe, getroffen habe er allerdings den Einsiedler, bei dem sie Schutz
gesucht habe. Der König sei vom religiösen Leben des Heiligen sehr beeindruckt
gewesen und habe ihm das Kloster St. Gilles erbauen lassen. Historisch
ist allerdings nur der Heilige selbst, dessen Name der griech. Bezeichnung
für Hirschkuh entspricht. So ist das Attribut des Heiligen auf seinen
Namen zurückzuführen. Über die fränkische Besiedelung kam der Hl. zu uns,
denken wir an St. Gilgen, Igls, Ilgen, St. Ägid. Um seine Person ranken
sich noch mehrere Legenden wie die um König Martell oder die von der Befreiung
mehrerer Deutscher aus den Händen von Ungläubigen. Sehr früh verehrte
man ihn im Bistum Bamberg, das erklärt auch seine Aufnahme in die Reihe
der 14 Nothelfer. In Deutschland wird Ägydius oft mit lautstarken Festen
in Verbindung gebracht. Die Hirschkuh war nach altgermanischer Überlieferung
die Spenderin des Rauschtranks. Heute sagt man noch zu Menschen, die unbesonnen
sind, sie hätten den "Gidi".
Sie sehen anhand dieses Beispiels, wie viel Heidnisches auch noch in die Heiligenverehrung hereinwirkt.
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