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Kindheit

 

Oskar Werner wurde als Oskar Josef Bschließmayer am 13. November 1922 in Wien geboren.

 

 

 Seine Mutter Steffi Bschließmayer arbeitete in einer Hutfabrik. Seine Mutter ließ sich scheiden, als er sechs Jahre alt war. Mit acht wollte er Frauenarzt werden, weil ihn das interessierte. Sie mussten immer sehr früh aufstehen. Seine Großmutter Karoline Zelta stand schon in aller Früh in der Waschküche. Bevor er in die Schule ging, brachte er ihr das Kaffeehäferl in den Keller. Nach der Schule schleppte er mit ihr die nasse Wäsche auf den Dachboden zum Trocknen. „Guter Bub“, hat die Großmutter immer gesagt, wenn er ihr geholfen hat.

 

Schon als fünfjähriger Bub ging er beim Heurigen absammeln. Oskar Josef Bschließmayer hat schon damals mit seiner eigenartig schönen Stimme und Sprachmelodie auf sich aufmerksam gemacht. Er sang immer wieder dasselbe Wienerlied: „Ja, die Fräul’n Amalie, die geht ganz pomale . . .“ Im Hof spielte Oskar, allein für sich, Theater. In „Die feindlichen Brüder“ spielte er abwechselnd beide Rollen.

 

 

Sein Onkel Franz Zelta war Beleuchter bei der Sascha-Film. Er brachte Filmreste nach Hause, Oskar fabrizierte Eintrittskarten für Verwandte und Nachbarskinder und dann war Film im „Bschließmayer-Kino“. In der Küche-Kabinett-Wohnung fanden regelmäßig Vorführungen statt. Seinen Onkel Franz und seine „Großi“ hatte der kleine Oskar am liebsten. Die Großmutter, die im Burgtheater immer auf Stehplatz ging, hat ihm oft davon erzählt. Und mit elf wusste Oskar, dass er Schauspieler werden wollte. Mit elf spielte er auch seine erste Rolle, den dritten Feuerwehrmann in der Haydn-Realschule. Seine zweite Rolle in einer Schulaufführung war die der Hausmeistertochter in Nestroys „Die schlimmen Buben in der Schule“.

 

Schon damals begeisterten ihn die Werke von Shakespeare und Goethe, die er bis spät in die Nacht hinein las. Er sagte sogar den Hamlet-Monolog seinem Deutschlehrer auf, der davon tief beeindruckt war.

 

Wenn seine Großmutter im Kleinen Lotto gewonnen hatte, gingen sie ins Schlösslkino in der Reinprechtsdorfer Straße. Denn damals schwärmte er von Lilian Harvey, in die er so verliebt war. Seine erste klassische Rolle spielte er in der „Insel“ in der Johannesgasse, dem heutigen Metro-Kino: den 3. Argonauten in Grillparzers „Goldenem Vließ“. Ende 1937 stand er das erste Mal vor einer Filmkamera. Seine zweite Filmrolle spielte er in „Hotel Sacher“: einen Liftboy, der eine kurze Szene mit einer Grande Dame auf der Hoteltreppe hat und einmal eine Automobiltür öffnet.

 

1938 wechselte Oskar Werner an das BRG 6 Marchettigasse, damals als Realschule R 6 bekannt. Seine letzten Schuljahre waren schon vom Krieg überschattet. Eine bittere Zeit für Oskar begann, er musste in den Arbeitsdienst. Seine schrecklichen Kriegserlebnisse in jungen Jahren beeinflussten viele seiner Filme (z.B. „Fahrenheit 451“ und viele andere). Und dann geschah ein Wunder. Ein Telegramm von Lothar Müthel erreichte ihn, und er erhielt für einen Tag vom Arbeitsdienst frei, um am Burgtheater vorzuspielen. Müthel schaute ihn an und meinte„Sie sind begabt.“ Am 11. Oktober 1941 hatte Oskar Werner als Giuliano Mocenigo in „Heroische Leidenschaften“  den ersten Auftritt an seinem geliebten Burgtheater . . .

 

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