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| Betörender Wermut: |
| Trotz seines schaurigen Geschmacks verwandten
schon die alten Ägypter das silbergraue Laub zu Liebeszaubern.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts destillierte die Spirituosenindustrie
den berauschenden und sinnenthemmenden Absinth aus Wermutblättern,
der sich angeblich vor allem in deutschen und französischen Künstlerkreisen
großer Beliebtheit erfreute. Dieser Likör enthielt jedoch
große Mengen des Giftes Thujon, was zu schweren geistigen und
körperlichen Gesundheitsschäden führte. Daher wurde
die Destillation schließlich gesetzlich verboten. Der moderne
Wermutwein ist in Bezug auf das Thujon ungefährlich. Es scheint
aber wie so oft auf die Dosis anzukommen. Im Mittelalter diente Wermut
vor allem zur Vertreibung unkeuscher Gelüste. Schon die Griechen
hatten den Wermut der Göttin Artemis geweiht, die u.a. auch für
Keuschheit stand. Darauf verweist noch heute die botanische Gattungsbezeichnung
Artemisia |
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| Bannmittel: |
| Lange Zeit galt Wermut als Bannmittel schlechthin:
Er schützte Mensch und Tier praktisch vor allen bösen Zaubereien
und Hexereien. Die alten Germanen gaben einige Tropfen in das Feuer bei
der Verbrennung ihrer Toten und schmückten auch die Gräber mit
Wermut. Mit dem Rauch des Wermuts (deshalb der volkstümliche Name
Wiegenkraut) hinderte man den Teufel daran, neugeborene Kinder
gegen einen Wechselbalg auszutauschen. Die Stallungen wurden regelmäßig
mit Wermutrauch ausgeräuchert. Die Bauern legten mit Wermut vergiftete
Mäuseköder in ihre Getreidekammern, wovon der volkstümliche
Name Mäusetod rührt. |
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| Mit Wermutblättern hielt man die Motten von den Kleidertruhen
fern. |
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| Wermutblätter in Tinte: |
| Damit versuchten Schriftgelehrte, Ungeziefer den Appetit an den Büchern
zu verderben. |
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| Redewendungen: |
| Ein Wermutstropfen im Becher der Freude sein : die Freude ein wenig trüben |
| Ein Wermutsbruder ist ein Stadt-, Landstreicher, der übermäßig
viel Alkohol trinkt. |