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4. Die Symbolik der Rose in der Kunst
Als Lieblingsblume der Menschheit genießt die Rose bei allen Völkern einen besonderen Symbolwert, und die Mythologie ist reich an Geschichten über den angeblich göttlichen Ursprung der Rose. Sie stand von Anbeginn als Sinnbild für die Träume des Menschen. Die Rose ist das Leben, die Geliebte schlechthin.
Bei den Griechen war sie Attribut verschiedener Gottheiten, wobei an erster Stelle Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit zu nennen wäre. Auch wenn die Göttin der Liebe in anderen Kulturen einen anderen Namen trug, so blieb sie mit der Rose seit Jahrtausenden untrennbar verbunden. Die Griechen weihten die Rose aber zudem noch einer anderen Göttin, nämlich Eos, Sinnbild der Jugend und Morgenröte. Und auch wir modernen Menschen empfinden die Rosenblüte am schönsten, wenn die Tautropfen ihre seidigen Blätter noch erfrischen.
 
Drei Grazien, ebenfalls gleichbedeutend für Schönheit und Unschuld, trugen einen Kranz aus Rosenblüten. Der Götterberg Olymp war mit Rosen bewachsen und bei dionysischen Kultfesten schmückte man sich mit Rosen.
 
Weihten die Griechen die Rose Aphrodite und Dionysos, so widmeten die Römer die Königin der Blume Venus und Bacchus, der Göttin der Liebe und dem Gott der Freude und des Weines. Die Rose galt als die Blume aller Blumen und bedeutete immer schon Sinnlichkeit und Liebe - die knospenhafte Frische der Jugend ebenso wie die Sinneslust und Liebe des Weibes. Göttliches und Dämonisches liegen hier eng beisammen.
Aphrodite, die Götting der Liebe und Schönheit ( Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, Seite 16, BLV-Verlagsgesellschaft, Seite 33)
Die Christen sahen deshalb anfangs in den fünf Blütenblättern der Rose den Teufelsfuß. Bald jedoch knüpften auch sie an die alten mystischen Traditionen der Antike an, so daß die Rose zum Symbol der Jungfäulichkeit und Keuschheit Marias wurde und die fünf Blütenblätter galten nun als Sinnbild für die fünf Wundmale Christi.
Den Mohammedanern gilt die Rose als heilig, weil sie angeblich aus dem Schweiße Mohammeds bei seiner Auffahrt in den Himmel entstand.
Die Rose galt immer auch als Blume der Verführung. Im Mittelalter wurde die Mainacht, in der das Frühlingsfest gefeiert wurde, zur Walpurgisnacht und die Germanen erklärten den Rosengarten zum Venusberg.
Ein Symbol ganz anderer Art ist die weiße Rose. Sie ist das Zeichen des Geheimnisses und ebenfalls antiken Ursprungs - eine Symbolik, die von den Freimaurern ebenso übernommen wurde wie von der katholischen Kirche, wo sie auf so manchem Beichtstuhl noch zu erkennen ist. Begleitet wurde der Glaube an den göttlichen Ursprung dieser Blume von zahlreichen Legenden und manche dieser kuriosen Geschichten geht bis auf "paradiesische" Zeiten zurück:
"Als Eva aus dem Paradies vertrieben wurde, bat sie um Erlaubnis, eine Blume mitnehmen zu dürfen. Sie wählte eine Rose. Vor Scham errötete der kleine Rosenstrauch und dies ist der Grund, weshalb die Rosen rot wurden." Eine Variante zu diesem Thema lautet etwas anders: Demnach wurde die weiße Rose angeblich vor Scham über den Ungehorsam Evas rot.
Eine immer wiederkehrende Legende wurde in vielen verschiedenen Abwandlungen erzählt, hat aber immer denselben Kern: Die Rose färbte sich erst durch Götterblut rot: "Venus versteckte ihren Geliebten Adonis vor dem Grimm des eifersüchtigen Mars in einem Gebüsch. Als sie sich auf die Suche nach ihm an den Dornen eines Rosenstrauches verletzte, färbten sich dessen Blüten rot."
Christliche Legenden behaupten, dass alle Rosen zuerst rot waren und erst durch die Tränen Maria Magdalenas weiß wurden.
Bei den Griechen existierte jene Geschichte, dass der Göttervater den Blumen eine Königin geben wollte und eine Rose wählte. Die älteste Legende, die vom Geheimnis der Geburt der Rose berichtet, stammt aus dem Griechischen. Als die Liebesgöttin Aphrodite sich aus dem Meer erhob, einer Perle entsprungen, waren die Götter von diesem Schauspiel so begeistert, dass sie den am Körper haftenden Meeresschaum in weiße Rosen verwandelten.
Im klassischen Rosenland des mittleren Ostens, in Persien, gibt es natürlich ebenfalls eine Reihe Rosenlegenden. Eine erzählt davon, dass die Blumen sich beklagten, dass ihre damalige Königin, die Lotusblume, nachts schlafe anstatt sie zu bewachen, worauf Allah die Rose zur neuen Königin wählte.
Eine bekannte Legende ist das Rosenwunder der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Sie brachte der notleidenden Bevölkerung in einem Hungerwinter - gegen den Wunsch ihres Gemahls - einen mit Brot gefüllten Korb. Gerade als man sie als Diebin überführen wollte, verwandelte er sich in einen Korb voller Rosen. (Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, S.33).
Kurz erwähnen möchte ich noch die Rolle der Rose in der Heraldik. Dort ist sie nicht wegzudenken und als Wappenrose von Lancaster und York wurde sie in dem sogenannten "Rosenkrieg" zwischen diesen bei den englischen Häusern berühmt. Rosen findet man auch in der Architektur und hier sind vor allem die gotische Kathedrale von Chartres, Notre Dame oder das Straßburger Münster mit ihren lichtdurchflutenden Rosenfenseter sehenswerte Beispiele (Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, S. 37).
 
Die Geometrie der Rose diente als Vorbild für das Pentagramm und die Fensterrosetten alter Kirchen