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3.6 Die Rose im Biedermeier:
Wenn man vom Biedermeier spricht, so verbinden die meisten von uns damit eine Epoche, in der die Menschen ein fröhliches, unbeschwertes und gemütliches Dasein führten. Walzermusik und romantische Weisen gelten geradezu als Synonym dafür, und das liebliche Biedermeiersträußchen - eine Reminiszenz aus jenen Tagen - erinnert uns heute noch an diese Zeit voller Glückseligkeit. Aber diese angeblich so unbeschwerten Tage waren nur scheinbar so friedlich.
Aus dem Stammbuch der Edlen von Seydel
( Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, Seite 16, BLV-Verlagsgesellschaft, Seite 30)
Nach den Siegen über Napoleon und der Neuaufteilung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 begannen nämlich ganz und gar nicht gemütliche Jahre. In Preußen entstand ein Polizeistaat, der mindestens so gefürchtet war wie das strenge Regime des Fürsten Metternich in Wien. Als Folge davon zogen sich die Menschen zurück und besannen sich auf "Innere Werte".
Im Unterschied zu den großen Anlagen früherer Zeiten wurden im Biedermeier Lust- und Nutzgarten vereint. Man pflanzte Rosen wieder als Hecken und Lauben und der Stil eines Rosengartens im Biedermeier erinnert ein wenig an die streng formal gegliederten Gärten der Renaissance. Charakteristisch für einen Biedermeier-Garten waren seine Blumenvielfalt sowie seine Farbenprächtigkeit, wobei die Rose auch in dieser Zeit eine Sonderstellung einnahm. Sie spielte wieder jene Rolle, die sie bereits in der Antike innehatte und wurde vieldeutiges Symbol, für die Liebe ebenso wie für die Tugendhaftigkeit. Als "Biedermeierröschen" ist sie in die Blumengeschichte eingegangen.
Ein typischer Kartengruß aus dem Biedermeier
( Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, Seite 16, BLV-Verlagsgesellschaft, Seite 37)
Die Rose im Biedermeier war aber nicht nur im Garten zu finden, sondern spielte eine Rolle in vielen Bereichen künstlerischen Schaffens. In der Malerei wie in der Dichtung huldigte man der Königin der Blumen. Aus den zahlreichen Schöpfungen jener Tage möchte ich hier nur den "Nachsommer" von Adalbert Stifter erwähnen, in dem sehr viel Rosenromatik verborgen ist. Künstlerische Arbeiten, wenn auch weniger berühmte, bei denen die Rose im Mittelpunkt steht gibt es im Biedermeier sehr zahlreich. Man verzierte beinahe alle Dinge des täglichen Gebrauchs: Prozellan und Gläser wurden bemalt, Bekleidung und Wäsche mit Röschen bestickt. Ganz typisch für das Biedermeier aber waren die Glückwunschkarten und Stammbuchverse