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3.5 Die Rose von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert
 
Stillleben mit Rosen, Tulpen, Iris und anderen Blumen
aus dem Jahre 1612, ein beliebtes Motiv der Maler
dieser Zeit
Schon im ausgehenden Mittelalter war der Garten nicht mehr allein ein Nutzgarten, in dem ein Rosenstock stand, sondern er wandelte sich allmählich zum reinen Ziergarten, eine Tendenz, die sich in der Renaissance mit dem Wiedererwachen der Antike noch verstärkte. Man pflegte nun einen verfeinerten Lebensstil und dazu gehört auch die Kultur von Rosen. In der Renaissance, die sich an die Antike anlehnte, gewann die Rose als Blume der Liebe wieder ihre ehemalige Bedeutung zurück, und ein Labyrinth für Liebende aus einer Rosenhecke, woraus sich später die Rosenlaube entwickelte, durfte in keinem Garten fehlen.
Das Streben des Menschen nach Vollkommenem ließ die Besitzer großer Gärten bald schon nach Neuem suchen. Sie begnügten sich nicht mehr nur mit dem alleinigen Besitz eines Rosengartens, sondern es musste etwas ganz Besonderes sein. Fürsten und Adelige wetteiferten untereinander oder mit den Großkaufleuten um "die Schönste im ganzen Land". Im Zeitalter der Entdeckungen, als sich die Handelswege öffneten, schickten sie ihre Hofbotaniker rund um den Erdball auf die Suche nach Neuheiten und Raritäten. Als gegen Mitte des 18. Jahrhunderts britische Seefahrer nach Indien und dem fernen Osten segelten, um für die königlichen Gärten Pflanzenmaterialien einzukaufen, brachten sie neben zahlreichen exotischen Gewächsen auch die chinesische Rose, die sie im Garten der British - East - Indian Company in Canton entdeckten, nach Europa. Das war um 1751, und damit begann für die Rosen ein neues Zeitalter. Mit der Einführung dieser fernöstlichen Schwester der europäischen Gartenrose änderte sich die Rosenkultur von Grund auf.
Die Geschichte der Rosen in China reicht weit zurück. Schon Konfuzius hat circa 500 v. Chr. in seinen Schriften über die Rosen in China berichtet, und immer wieder wurden Rosen künsterisch auf Seidenmalereien oder Porzellan dargestellt. Im Zeitalter der Entdeckungen wurde es auch in Europa "en vogue", sich mit diesen chinesischen Kostbarkeiten zu schmücken und dazu gehörten auch exotische Pflanzen. Pflanzenjäger wurden losgeschickt und bald tauchten diese "Exoten" im Abendland auf. Die ersten Spuren der chinesischen Rosen fand man in Italien, wo sie ein Renaissance-Maler schon 1596 in einem Gemälde festhielt. Ungefähr hundert Jahre später wurden in einem Jesuitenkloster bei Ferrara blühende Pflanzen entdeckt.
Größere Verbreitung fanden diese Rosen jedoch erst Ende des 18. Jahrhunderts, als am französischen Hof Kaiserin Joséphine sich für diese Neuheiten zu interessieren begann. Immer auf der Suche nach Exklusivem begeisterte sie sich besonders für die Rosen aus dem fernen Osten und ließ all ihre Beziehungen spielen, um an die Pflanzen heranzukommen. Joséphine war während ihres kurzen Lebens auch eine große Verehrerin der Künste, und einer der größten Rosenmaler seiner Zeit, Pierre - Joseph Redouté, weilte häufig als Gast auf ihrem Schloss. In ihrem Auftrag malte er seine bedeutenden Aquarelle der Rosen von Malmaison, die damit der Nachwelt erhalten blieben und noch heute Bewunderung finden.
Aquarell des Malers Joseph Redouté
Redouté hat eine dieser ersten China-Rosen 1817 in einem Gemälde festgehalten. Zweifellos das berühmteste Rosengemälde, das je gemalt wurde, stammt von Sandro Botticelli. Auf seinem Gemälde "Die Geburt der Venus" erhebt sich die Göttin der Schönheit aus dem Meer und im gleichen Augenblick fallen Rosen vom Himmel zur Erde. Auch in seinem Werk "Frühling" malt Botticelli die Blumengöttin Flora rosenbekleidet. In beiden Werken, die schon zur Renaissance gerechnet werden, ist der Einfluss der Antike deutlich zu spüren. Wunderbare Zeugnisse der Bedeutung der Rose in der Malerei findet man auch bei den flämischen Meistern. In ihren Gemälden bilden nun die Rosen als Blume das Hauptmotiv. Ab jetzt wird sie nicht mehr als Göttersymbol betrachtet, sondern allein ihrer Schönheit wegen gemalt. Peter Paul Rubens, Jan Breughel und Daniel Seeghers sind die bekanntesten dieser flämischer Meister (Ilse Höger-Orthner, Vom Zauber alter Rosen, S. 23-29). Mit Pierre - Joseph Redouté , eben jenem Maler, die die Rosensammlung von Malmaison aquarellierte, und mit Salomon Pinhas, der die Rosen auf Schloss Weißenstein malte, entstand erst die "botanische" Rosenmalerei.