Große
Meister
und
ihre kleinen Freunde
Ein Projekt der Schwerstbehindertenklasse Unterweißenbach,
im Rahmen
von
Museumonline 2000
Volksschule Unterweißenbach
Ars Electronica Center Linz
– A4273 Unterweißenbach 91
–
Projektleitung Haneder
Hedwig, Erich Pammer
In
Anschluss an den überraschenden Erfolg bei Museumonline 99 haben wir heuer
versucht, das Webmuseum auszubauen. Große Meister der Malerei sollen
schwerstbehinderten Kindern aktiv nahegebracht werden. Es geht dabei weniger um
kognitives Wissen, sondern, um das Bemühen, der Zauber, der diesen Werken
innewohnt auf die Kinder zu übertragen. Dazu ist es notwendig, dass GEMEINSAM
gelernt wird. Im künstlerischen Bereich ist diese Miteinanderlernen von
enormer Wichtigkeit.
Sehr rasch stellte sich heraus, dass auch LehrerInnen, „behindert“ sind in der Sicht der Dinge, in der Begegnung mit diesen Größen
der abendländischen Malerei. Angst („kann ich das?“, „blamiere ich mich
etwa?“ „das kommt ins Netz?) und Vorbehalte, die bei den Kindern nicht im
geringsten vorhanden waren, zeigten einmal mehr, dass man nicht behindert
ist, sondern behindert wird. Meist sitzt diese Behinderung ganz fest in
unseren Köpfen, ohne dass wir es merken.
Das Medium Internet in Kombination mit herkömmlicher Technik ist bestens
geeignet, so mache Schranke niederzureißen!
- Projektziel
(was haben wir erreicht, was ist uns nicht gelungen)
Unser Ziel an die großen Meister gemeinsam mit
den schwerstbehinderten Kindern heranzukommen, ist voll geglückt. Alle
waren mit Begeisterung dabei, diese Thematik umzusetzen. Der gemeinsame
Prozess des Malens, das Fotografieren, das Umsetzen und Betrachten der
Ergebnisse im Netz war ein ungeheuer lehrreiches und vor allem auch
Gemeinschaft stiftendes Projekt. Es klingt vermessen, wir haben als LehrerInnen
weit mehr gelernt - wir fühlten uns keine Sekunde in der Rolle des Überlegenen
- als in manch schlauer Stunde an der Akademie.
Viele Werke der Kinder gefallen (natürlich?) weit mehr als unsere eigenen.
- Welche
Herausforderungen gab es im inhaltlichen, organisatorischen, kreativen und
technischen Bereich?
Die größte Aufgabe ist sicherlich pädagogischer Art. Sich mit den Titanen
der Kunst auseinanderzusetzen und das mit schwerstbehinderten Kindern ist
eine große Herausforderung. Unsere Kinder können z.T. nicht einmal
sprechen oder manche nicht sitzen, nicht hören, nicht schreiben oder lesen
etc. Diese Verschiedenheit ist aber eine riesige Chance, die Chance nämlich
nicht kognitiv und rational heranzugehen, sondern sich neue Wege zu suchen.
Das hieß eben sich einzubringen ins Geschehen und selbst eine Werk auch zu
produzieren.
Weiters spielt auch eine Rolle, dass letzten Endes eine neue Form des
Museums entsteht, dies in einem Medium, das selbst in einem noch nicht
absehbaren Entwicklungsprozess steht.
SEHR ERSCHWEREND IST FÜR UNS, DASS
WIR mit allen Schultypen (und dies europaweit) in einer Klasse antreten müssen.
Es freut zwar, wenn dann trotzdem der Erfolg eintritt, im Hinterkopf bleibt
dies aber eine gewaltige Hürde. Eine eigen Kategorie für (schwerst)behinderte
Kinder wäre wünschenswert.
Technisch stellen sich kaum Hürden, unser Webmuseum ist mit MS
Frontpage und Macromedia Flash 4 erstellt. Die Bedienung ist relativ
einfach.
- Beschreibung
der sozialen Lernprozesse
Ein Teil wurde bereits im ersten Punkt erwähnt.
Wesentlich ist uns, dass ALLE Beteiligten lernen. Es ist kein Prozess
des Lehrens sondern der Versuch GEMEINSAM zu lernen, von Kindern, wo
angenommen wird, dass sie kaum etwas vermitteln können.
Dieses Vorurteil zu durchbrechen ist ganz wichtig.
Ein weiteres Vorurteil, das uns immer wieder lähmt und dem wir mit diesem
Projekt entgegentreten wollen.
Was kann man denn schon mit behinderten Kindern am Computer Sinnvolles
machen?
Leider sitzt auch diese Vorurteil sehr tief (bis hin zu den
Geldgebern von Behinderteneinrichtungen) und wir machen doch kleine
Schritte, diese Behinderung aufzubrechen. Nicht wir sind behindert,
sondern man wird behindert (indem man nicht zugesteht, dass das Globale
Dorf für ALLE offen sein müsste)
Künstlerische Betätigung ist immer emotional behaftet, bestehende Kontakte
vertieften sich, neue Kontakte wurden geschlossen (ein Künstler kam an die
Schule, ein Techniker vom AEC zeigte sich an unserer Arbeit (nicht nur im künstlerischen
Bereich) sehr interessiert.
- Arbeitsverteilung,
Einzelarbeit/Team, Kooperation mit anderen Schulen
Die
Gestaltung und Entwicklung wurde gemeinsam gemacht, unterstützt hat uns
dabei Herr Bangerl Eduard, freischaffender Künstler in Pierbach OÖ. Der letzte touch in Sachen Webness stammt vom Ars Electronica
Center in Form von Herrn Helmut Höllerl. Enge Kooperation gibt es mit den
Kindern der Volksschule und mit dem Sonderpädagogischen Zentrum Unterweißenbach,
das für seinen Schwerpunkt für elektronische Medien inzwischen weit über
die Region hinaus bekannt ist.
- Einbindung
von externen Personen im Projekt (MuseumsbetreuerInnen, Künstler,
EDV-Experten, ...)
ARS
ELECTRONICA CENTER, Helmut Höllerl
EDUARD BOUSRD BANGERL, freischaffender Künstler, Pierbach OÖ
SONDERPÄDAGOGISCHES ZENTRUM
UNTERWEISSENBACH, A 4273
Unterweißenbach 91
- Akzeptanz
des Projektes intern/extern (Schule, Eltern, Schulumfeld, ...)
Das Projekt wurde inzwischen schon mehrmals gewürdigt, u.a. auch im
vergangenen Jahr im Rahmen der netdays 99, unsere Arbeit schon mehrmals
ausgezeichnet. Das wenigste Echo findet man im engsten Umfeld, was aber
durchaus verständlich ist, weil im ländlichen Raum noch keine flächendeckende
Internetversorgung besteht. Es wäre aber für deregionale Gebiete eine große
Chance, hier neue Möglichkeiten zu entdecken, zumal das Internet ein Medium
ist, das Raum und Zeit sehr zu relativieren beginnt. Trotzdem gibt es in der
örtlichen Presse immer wieder Berichte, die zeigen, dass der eingeschlagene
Weg sehr wohl der richtige ist.
- Erfolge
– worauf sind wir stolz:
Am meisten wohl darauf, dass wir uns unter stärkster Konkurrenz immer
wieder behaupten können, dass es weniger drauf ankommt, ob man besonders
klug und gescheit ist oder eine besonders rennommierte Schule besucht,
sondern dass man mit Fleiß und Offenheit durchaus auch überzeugen kann.
Das hoffen wir auch heuer wieder sehr.
- Persönlicher
Kommentar (LehrerIn, SchülerIn, ProjektpartnerIn)
Die beteiligten Projektpartner (Bangerl, AEC) waren verblüfft vom Vorgang
und vom Ergebnis. Als Projektleiter fallen mir immer wieder die engen
finanziellen Fesseln auf. Jeder Groschen muss erkämpft und erstritten
werden, das erschwert manchmal die Arbeit beträchtlich. (Ein Großteil der
Hard- und Software ist gesponsert, wo ist eigentlich die öffentliche Hand,
zumal hier tatsächlich jemand gefördert würde, dem das Schicksal nicht
ganz gnädig war – also kein Sozialschmarotzer, gegen die man so gerne zu
Felde zieht? Aber auch das Schweigen so mancher Verantwortungsträger ist
sehr beredt!)
An dieser Stelle einen herzlichen Dank
an das Österreichische Kulturservice, Mag.
Martina Reuter und Dr. Sirikit Amann, die uns immer wieder sehr geholfen
haben.
Ein offenes Ohr fanden wir auch stets im Unterrichtsministerium, vielen,
vielen Dank!
- Zusammenfassung
“Der Weg ist das Ziel“ und das Ergebnis freut uns dennoch auch – wenn
diese zwei Komponenten zusammentreffen, dann hoffen wir einmal mehr, dass es
andere auch so sehen. Kindern im künstlerischen Bereich, im elektronischen
Bereich bzw. in der Kombination beider Bereiche neue Wege zu zeigen wäre
immens wichtig und die Verbreitung unserer Idee wäre das schönste feedback.
- Öffentlichkeitsarbeit
(Kontakte zu Medien, Präsentationen, Pressespiegel, etc.)
Es gab in einigen Medien bereits Berichte (Interview in Ö Regional mit dem
Projektleiter, Berichte im Standard, Kurier etc., die zum Teil auch auf der
website www.eduhi.at/schule/spzfreistadt/dies.htm
dokumentiert sind.
Das Internet an sich ist für uns der größte Werbeträger!!!
- Hinweise,
wie die Projektergebnisse oder Teile davon im Unterrricht eingesetzt werden
können
Die Ideen können nahtlos umgesetzt werden, es liegt uns aber wenig daran,
dass wir nachgeahmt werden, sondern es harren noch viele Ideen mit
schwerstbehinderten Kinder der Umsetzung (im Netz). Immer wieder
bewahrheitet sich, dass man nicht behindert IST, sondern meist behindert
WIRD. Allein diese Bewusstseinsveränderung wäre schon ein
ausreichendes Ergebnis und rechtfertigt den Aufwand.
Da das Internet noch
viele Überraschungen bringen wird, ist es umso wichtiger rechtzeitig den Fuß
in der Tür zu haben, denn „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“
(M.Gorbatschow?)
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