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Lehrausgang Kirchturm:
Um unseren Kirchturm mit dem Langhaus bewusst zu sehen und zu erleben,
machten wir einen Rundgang um Untermieming und zugleich um die Kirche.
Der Turm
Berichte
der Kinder
Die Wappen am Turm
Begehung des Turmhelmes
Ost-, Nord-, West-, Südansicht
Unser Kirchturm zählt zu den schönsten und höchsten Tirols. Der massive,
75 m hohe spätgotische Kirchturm steht an der Nordseite des Altarraumes
(des Chors) und hat am Fundament eine Seitenlänge von 6 m 75 cm.
Die Mauerstärke beträgt bei den 2 Fenstern der Turmsakristei 1m 80 cm.
Diese Mauerstärke verjüngt sich stufenweise im Innenmauerwerk. In der
Höhe der Doppelschallfenster sind dieMauern noch 80 cm dick. Bis zu dieser
Höhe reichen an der Ostseite, der Wetterschattenseite, die 6 einzelnen
Turmfensterchen.
Diese
uralte, eisenbeschlagene Tür führt in die Turmsakristei, die sich im Erdgeschoß
des Turms befindet und vom Altarraum aus betreten werden kann. Die Sakristei
wurde deshalb im Turm eingerichtet, da dieser Raum eine hohe Sicherheit
bot, vor allem gegen das Feuer.
Noch 1751 stand diese Sakristei in Verwendung. Vor der Sakrisreitür führte
eine Stiege hinauf zum Turm.
Wann die Sakristei an der Südseite des Chors angebaut wurde, wissen wir
nicht.
Der schmale Aufgang zum Kirchturm befindet sich hinter dem heutigen Sakristeitür
auf der rechten Seite. Bevor man das Innere des Turms betritt, zweigt ein
schmaler Raum ab, der als Glockenkammer bezeichnet wird. Als die Glocken
noch händisch geläutet wurden, besaß die Kammer ein Fenster zum Altarraum
hin. Von diesem Fenster aus konnten die Läuter den Gottesdienst mitfeiern
und wussten, wann sie zur Messe läuten mussten.
Holztreppen entlang des unverputzten Mauerwerks führen bis hinauf zur
Glockenstube.

Die Kinder staunten über das dicke Mauerwerk, über die sehr genaue, sorgfältige
Arbeit der Steinmetzen und Maurer der Bauhütte Imst und über die Unmengen
von Steinen, die mit Kalkmörtel aufgemauert wurden. Die Steine und den
Kalk lieferte das riesige Schotterfeld des Lehnbachs.
Die in Manneshöhe immer wiederkehrenden tiefen Löcher im Mauerwerk dienten
dem Gerüstbau. Die SchülerInnen entdeckten je eine schräge Öffnung neben
jeder Mauerkante und je 2 Löcher an jeder Seitenlänge. In den schrägen
Öffnungen steckten die diagonalen Holzbalken, in den geraden Öffnungen
die geraden Balken.
Knapp unterhalb des dritten Turmfensterchens befindet sich auf der Südseite
der Austieg zum Dachgewölbe des Langhauses.

Auf einer Holzleiter, die zwischen Langhaus und Turm in einem schmalen
Gang steht, kann man in das Gewölbe gelangen. Auf diesem Bild sieht man
die Spuren (Teil einer unverputzten Mauer des Turms) der Verdachung des
Ganges aus der Zeit, als die spätgotische Kirche noch stand. Der Abstecher
ins Dachgewölbe war für die Kinder besonders interessant und abenteuerlich.
Zwischen dem 5. und 6. Turmfensterchen entdeckten die Kinder die Uhranlagen.
Das
alte Uhrwerk musste noch händisch aufgezogen werden. Seit Pfarrer
Alois Kathrein besitzen die Uhren einen elektrischen Antrieb. Die heutige
Turmaußenansicht zeigt uns 3 Uhren: auf der Ost-, Nord- und Westseite,
an der Südseite fehlt die Uhr.

Die SchülerInnen erforschten aber, dass in der südlichen Turmmauer die
gleiche Öffnung für die Uhr besteht wie bei den anderen 3 Turmseiten.
Doch laut Urkunde vom Jahre 1836 wurden auch nur 3 Uhrblätter in Auftrag
gegeben. Gab es jemals eine vierte Uhr?
Nun erreichten die Kinder durch eine Luke die eindrucksvolle windige Glockenstube
mit den 5 Glocken und den Doppelschallfenstern auf jeder Turmseite.
1921 wurden die 4 Stahlglocken der Firma Böhler aus Kapfenberg aufgezogen:
die Zwölfer, die Große, die Zweite und die Kleine. Im Jahre 1952 kam das
Sterbeglöckchen, das auf Initiative von Josef Kluibenschädl angeschafft
wurde, dazu. Seitdem läutet es bei jedem Sterbefall in unserer Pfarrgemeinde.
Für Josef Kluibenschädl läutete es zum ersten Mal.
Pate des Sterbeglöckchens war der Ministrant Franz Happ.
Die
abnehmbare Mittelsäule des nordseitigen Schallfensters ermöglicht das
Auf- und Abziehen der Glocken.
Bis in die Zeit von Pfarrer Wilhelm Kerber wurden die Glocken mit den
geflochtenen Lederseilen händisch geläutet.
Oberhalb der Glockenstube beginnt der achteckige Turmhelm. Der gesamte
siebenstöckige Turmhelm ist aus Lärchenholz gefertigt, der Dachstuhl aus
gehackten Balken, das Dach aus Schindeln. Über Holzleitern gelangt man
von einem Stockwerk zum anderen.
Nun wussten die SchülerInnen
schon sehr viel von unserem Kirchturm. Doch das Wesentliche von der Außensicht
wollten sie auch bewusst anschauen und erfahren.

Die Farbe des verputzten Mauerwerk ist in einem gelblichen und das Schindeldach
in einem rötlichen Ton gehalten. Aus der Urkunde, die im Jahre 1836
in die Turmkugel gelegt worden war, geht hervor, dass der Kirchturm vorher
grün angestrichen war. In den Turmrechnungen der Jahre 1772/73/74
wurde tatsächlich sehr viel Geld für grüne Farbe ausgeben,
z. B. öll grien, Perg grien, Mallafit grien,...

Am Unterbau der nördlichen Turmseite, knapp über dem Fundament, befindet
sich das Fresko "Mariä Himmelfahrt ", gemalt von Josef Prantl im
Jahre 1958. Über dem Bild steht die gotische Zahl 1498, die uns auf das
Projektthema gebracht hat.
Ein wenig unter
den Doppelschallfenstern ticken laut die drei Uhren mit den römischen
Ziffern. An den Mittelsäulenkapitellen der spitzbogigen Doppelschallfenster
sind im Norden der österreichische Bindenschild, im Osten das Wappen von
Stams, im Süden ein zweigeteilter Bindenschild (im Westen ohne Wappen)
angebracht.
Auf jeder Seite
des Turmaufbaus befindet sich ein gemauertes Giebelfeld, das einen kleinen
Blechaufsatz mit einer vergoldeten Kugel zeigt, vergleichbar mit dem Turmaufsatz
an der Spitze. Jedes Giebelfeld hat außerdem ein einfaches Schallfenster
mit einer spitzbogigen Nische darüber. Diese Nischen lassen auf Meister
Jakob von Tarrenz als Baumeister schließen.
An der Basis
der Giebelfelder befinden sich an den vier Turmkanten die aus Stein gemeißelten
Wasserspeier.
Die zwei nördlichen Wasserspeier sind abgebrochen und durch mit Blech
bedeckte Holzbalken ersetzt worden.
An der Südseite sind die Wasserspeier in gutem Zustand. Die Abmessungen
des Turmhelmes ergaben, dass der Turmhelm etwa die gleiche Höhe wie
der gemauerte Unterbau hat. Der Turmaufsatz besteht aus der Turmkugel
mit dem darüber befindlichen festsitzenden sechszackigen Stern mit
seitlich angebrachter Mondsichel. Kugel, Sterne und Sichel sind vergoldet.
Der Stern mit dem Mond war früher beweglich und zeigte dadurch die
Windrichtung an.
Der Blitzableiter, von der Spitze bis 1,5 m ins Erdreich verlaufend, wurde
1891 montiert.
Die Kinder wollten von Dr. Josef Wischounig auch
den Zweck des Kirchturms erfahren:
Der Turm
trägt die 4 Glocken, die die Menschen zum Gebet und Gottesdienst rufen.
In vergangener Zeit läuteten die Glocken bei gefährlicher Witterung und
bei Feuerausbruch. Sie warnten aber auch vor dem nahenden Feind. Das Sterbeglöckchen
kündet einen Todesfall in unserer Pfarrgemeinde an.
Die Uhren waren in alter Zeit sehr wichtig, da die Menschen fast keine
Uhren besaßen.
Der Stern mit der Mondsichel, der früher beweglich war, erfüllte die Aufgabe
eines Wetterhahnes.
Der Wetterhahn gab die Windrichtung an und der Bauer konnte die Wetterlage
besser beurteilen. Durch die große Höhe weithin sichtbar diente der Kirchturm
sicher auch der Orientierung.
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Mit Dr. Josef Wischounig, Kunsthistoriker, erforschten die Kinder
den Kirchturm innen bis zur Glockenstube und die Außenansicht des Turms.
Sie erkundeten und entdeckten, Josef erklärte und erzählte in interessanter,
kindgerechter Weise alles, was die Kinder wissen wollten. Die Turmerkundung
war das aufregendste Erlebnis der SchülerInnen.
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