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| Ein
Traum
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| Jakob von Tarrenz
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Eine Geschichte von Dieter Seelos
Jakob saß auf seiner Holzbank, draußen im Hof und blickte
verstört in die sommerliche Gegend. Eine lästige Fliege hatte
ihn gerade aus dem Schlaf gerissen, und er reckelte sich mit verzerrtem
Gesicht, als wollte er einfach nicht aufstehen. "Mein verflixtes
Kreuz", murmelte Jakob mit sich selbst,"
da sitze ich nun, ich, der große Baumeister."
Er
schaute um sich und bemerkte am Rande der Wiese, dass sich etwas im hohen
Gras bewegte. Es war ein Kind, die kleine Elisabeth.
Elisabeth
war die Tochter des Müllers drunten im Mühlried. Seit dieser
Geschichte mit dem Kirchenturm war sie ganz fasziniert vom "großen
Jakob". Das siebenjährige Kind schlich langsam den kleinen Wall
hinauf, nicht ahnend, dass Jakob sie schon lange gesehen hatte.
"Endlich ist es Sommer geworden!", freute sich Jakob, "Juni
um genau zu sein." Der Winter war sehr hart für alle Familien
hier im Ort.
Jakob hatte sich schon im Herbst entsetzlich verkühlt, nebenbei waren
die Hälfte seiner Männer, darunter 5 Maurer und 3 Zimmerleute,
beim Bau verletzt worden, als das Seil der Schloapfe riss und wie ein
Stein die nasse Schneise hinunterraste. Es war schrecklich.
Jakob riss es erneut auf seiner Bank. "Schlafen will ich, schlafen...!",
beruhigte er sich selber. In letzter Zeit quälte ihn immer wieder
die Vergangenheit, die Gedanken zerrten in ihm Bilder aus längst
vergangenen Tagen hervor.
"Wuuu!", brüllte Elisabeth und sprang mit einem Satz hinter
einem Busch hervor und stand urplötzlich vor Jakob, um ihn zu erschrecken.
Jakob kannte diese Tücken der Jugend, schließlich war er doch
selber einmal ein kleiner Lausbub gewesen, jetzt ist er eben ein großer
Lausbub.
"Fang mich, fang mich!", kicherte Elisabeth und wollte den alten
Mann zum Spielen einladen. Jakob winkte abwertend ab und wollte sich erneut
in den Schlaf fallen lassen.
"Jakob ist ein schöner Name!", sagte Elisabeth, als sie
merkte, dass mit dem netten Herrn heute keine Späße zu machen
waren.
"Jakob von Tarrenz klingt wirklich geheimnisvoll. Warum heißt
das von Tarrenz, wenn du doch hier in Niedermiemingen bist?"
Jakob machte eine fragendes Gesicht und bemühte sich einer ordentlichen
Antwort. "Also, das heißt von Tarrenz, weil ich von dort herkomme
und in der Bauhütte Imst arbeite, sehr fleißig war und....".
Jakob hörte auf zu sprechen und blickte mit starren Augen in die
bunte Natur hinaus. Er senkte seinen Kopf und meinte mit tiefer Stimme:
"Meine kleine Elisabeth, ich habe schon so viele verschiedene Dörfer
und Städte gesehen, so viele Häuser und Menschen. Manchmal weiß
ich gar nicht, wohin ich gehöre, auch wenn ich Jakob von Tarrenz
heiße."
Mein Großvater hat mir auf seinem Sterbebett erzählt, dass
er wegen des vielen Leides auf dieser Welt sterben wird, aus Kummer und
Sorge über das Morgen. Er ist an einer sehr schlimmen Krankheit gestorben
und niemand weiß, warum diese komischen Flecken auf der Haut nicht
heilten. Er sagte immer, dass das die Strafe für seine Gier war,
obgleich er einer der zufriedensten Männer war, den ich kannte. Seine
Frau starb bei der Geburt meiner Mutter. Trotzdem hat er uns immer alle
gut behandelt. Mein Vater war ein großer Meister, er beherrschte
sein Handwerk wie ein Künstler - er war es, der mich mit nach Rom
nahm, um dort zu lernen. Wir waren 8 Wochen auf Reise ehe wir in die heilige
Stadt Rom kamen. Dort sollte mir Lesen und Schreiben beigebracht werden,
während mein Vater sich in der Kunst der Bildhauerei übte.
Ich verstand die Mädchen dort nie, sie sprachen ganz komisch, aber
Latein, das konnte ich. Dort lernte ich als 16jähriger Bursche auch
eine besondere Frau kennen, Rosetta di Vegno. Sie wohnte in der gleichen
stinkenden Gasse wie wir. Sie lehrte mich das Singen, das ich bis heute
noch nicht kann. Sie hatte immer davon geredet, dass die Welt keine Scheibe
sondern eine Kugel sei und sie wollte mir die Sterne erklären. Eines
Nachts stand ich auf der kleinen Tiberinsel und lauschte dem Plätschern
des Flusses. Es war so beruhigend für mich, dass ich einschlief und
erst am späten Abend wieder zu mir kam. Ich hatte einen wunderbaren
Traum...
Es hatte zu tun mit den vielen Abenteuern, die das Leben so bietet, wo
ist der Anfang wo ein Ende... oder gibt es zum Schluss beides nicht...
Was kann Jakob geträumt haben, als er noch ein junger Bursch war?
Erzähle weiter und lass Jakob zu neuen Abenteuern aufbrechen!
Wenn du mehr über Jakob von Tarrenz wissen möchtest, dann schaue
in der Rubrik "Turmbau/Imster Bauhütte" nach.
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Jakobs
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Gestiftet vom
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