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Die Imster Bauhütte
Das gesamtdeutsche Bauhandwerk der Steinmetzen und Maurer umfasste in
den drei Hüttengauen Straßburg, Köln und Wien alle deutschen Länder, wobei
Straßburg der Sitz der Organisation war. Die einzelnen Hüttengaue waren
in Landesververbände (Haupthütten) gegliedert.
Die 1460 neu gegründete Landesorganisation von Tirol, die Bruderschaft
des Inntales, schloss sich dem Wiener Hüttengau an. Der Inntaler Bruderschaft
gehörten alle in Nordtirol tätigen Werkmeister, Parliere (Poliere), Steinmetzen
-, Maurer - und Zimmerleutgesellen an.
Sitz der Organisation war Hall. Solche Bauhütten oder Büchsen bestanden
in Hall (als Haupthütte und Vorort der Landesorganisation), Schwaz, Innsbruck,
Zirl, Imst und Grins - Landeck.
Die Bauhütte Imst war das Zentrum der Bautätigkeit für das Inntal von
Rietz bis Mils, für das Ötztal, das Pitztal, das Gurgltal bis zum Fernpass
und für das Mieminger Plateau. So wurde der Grundstein zu einer neuen
Blütezeit des gotischen Kirchenbaus im Bereich Imst gelegt.
Die Bauhütte Imst
errichtete neben den kirchlichen Bauten auch weltliche, zum Beispiel das
Jagdschloss auf der Insel des Fernsteinsees.
Die Steinmetzen spielten nach gotischem Hüttenbrauch die Hauptrolle, während
die Maurer nur eine untergeordnete Bedeutung hatten.
Die erste Leitung der Bauhütte Imst hatte Meister Heinrich von 1460 bis
um 1475 inne. Ihm folgte als Leiter der Bauhütte Imst sein Sohn Meister
Jörg. Die Tätigkeit des Meister Jörg ging bald nach 1510 zu Ende und 1515
dürfte er schon nicht mehr am Leben gewesen sein.
Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte Meister Jakob von Tarrenz als der
dritte und letzte Meister der Bauhütte Imst anzusehen sein. Er konnte
sich als Mitarbeiter des Meister Jörg die Voraussetzungen schaffen, die
ihm nach dessen Tod die Nachfolge als Leiter der Bauhütte Imst sicherten.
Meister Jakob wandte sich intensiv der Steinmetzarbeit zu, ganz im Sinne
der ausgehenden Gotik.
Als Mitarbeiter Meister
Jörg erweiterte er die Pfarrkirche Mieming. Vor allem schuf er dort um
1515 das Portal aus rötlichem Kalkstein, das nach dem völligen Abriss
der spätgotischen Kirche im Jahre 1890 als Friedhofstor verwendet und
1959 beim neugotischen Langhaus als Westportal wieder eingesetzt wurde.
Der Kirchturm, den Meister Jörg schon im 1498 begonnen hatte, bekam durch
Meister Jakob seine heutige Gestalt. Vorbild für den Turm war der Imster
Kirchturm. Die spitzbogigen Nischen über den Giebelfenstern am Turmaufbau
weisen auf seine Tätigkeit hin. In flachen Kielbogennischen sind die Wappen
gemalt. Mit Meister Jakob ging die Bautätigkeit der Imster Bauhütte zu
Ende. Unter den drei tüchtigen Meistern wurden über 20 Kirchen und Kapellen
neu erbaut.
Nun wissen wir, dass unter der Leitung des Meister Jörg und Meister Jakob
die Steinmetz-, Maurer- und Zimmerleutgesellen den Turm bauten, doch wie
viele Jahre sie daran gearbeitet haben, wissen wir nicht. Es ist aber
anzunehmen, dass die gotische Zahl 1498 auf den Baubeginn hinweist.
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