Absolventen der bilingualen Schulen
in Tschechien, Ungarn und der Slowakei
1) Zur Entstehung der Umfrage
Zu jener Zeit, als sich eine Gruppe von Schülern des Gymnasiums Bilikova in Bratislava an die Ausarbeitung eines Fragebogens für Absolventen ihrer Schule machte, dachte noch keiner daran, dass es interessant wäre, anlässlich des 10-jährigen Bestehens bilingualer Schulen in den Ländern Tschechien, Ungarn und der Slowakei auch andere Standorte in diese Befragung mit einzubeziehen. Ausgehend von der Reflexion eigener Studien- und Berufsperspektiven, der Analyse von Erfordernissen am aktuellen Arbeitsmarkt, der Beschäftigung mit neuen Berufsbildern entstand die Idee, Absolventen der eigenen Schule in diese Auseinandersetzung einzubinden. Aus deren persönlichen Berichten und durch die Ergebnisse der Fragebogenerhebung erhofften viele Schüler unter anderem auch, Entscheidungshilfen für ihre persönlichen Studien- und Berufsentscheidungen zu bekommen.
Nach Vorliegen der Ergebnisse in der zweiten Hälfte des Schuljahres 1998/99 wurde von der Koordinationsstelle des BMUK für bilinguale Schulen in Mittel- und Osteuropa Interesse gezeigt, diese Befragung auch an weiteren Standorten durchzuführen. Da es wenig Sinn gehabt hätte, Absolventen des Gymnasiums Bilikova ein weiteres Mal mit einem neu konzipierten Fragebogen mit "größerer Treffsicherheit" zu konfrontieren, kam es nur zu einer geringfügigen Modifikation, sodass ein Vergleich der vorliegenden Umfrage mit den Daten der anderen Schulen gewährleistet war. Ein Nachteil dieses Vorgehens ist darin zu sehen, dass bei den meisten Fragen von der schulspezifischen Situation am Gymnasium Bilikova und von den damals aktuellen Interessen einer Schülergruppe ausgegangen wurde. So nehmen Fragen an Studenten eine zentrale Stelle ein, die Arbeitswelt wird weitgehend außer Acht gelassen. Weiters konzentrierte sich das Interesse der Schüler auf jene Studenten, die im Ausland studieren, da sie über die Studienbedingungen im Inland zum damaligen Zeitpunkt schon viel eher Bescheid wussten. Der Leser möge aus dieser Studie bestimmte Tendenzen ablesen, einer statistischen Überprüfung wird sie nicht in allen Punkten standhalten, da bei der Auswertung an den jeweiligen Standorten interessierte Schülergruppen und keine professionellen Meinungsforscher am Werk waren. Ohne Mithilfe dieser Schüler wäre es in diesem Rahmen nicht möglich gewesen, die Befragung durchzuführen.
Von den insgesamt neun Schulstandorten in Tschechien, Ungarn und der Slowakei, an denen österreichische Lehrer unterrichten, wurden drei weitere ausgewählt. Diese Einschränkung schien uns insofern gerechtfertigt, als an diesen Schulen mit einem etwa gleich großen personellen Aufwand von österreichischer Seite gearbeitet wird. Zudem verbindet diese vier Standorte, dass die Maturaprüfung an allen vier Schulen von Österreich als Hochschulberechtigung anerkannt wird. Mit Ausnahme von einer Schule - der Handelsakademie in Bratislava - handelt es sich um allgemeinbildende höhere Schulen. Im Folgenden wird versucht, in aller Kürze die Besonderheiten dieser vier Standorte zu beschreiben.
2) Zu den Absolventen der einzelnen Schulen und deren Beteiligung an der Umfrage
Im Rahmen dieser Befragung wurden 897 Absolventen bilingualer Schulen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei angeschrieben, das sind 30 verschiedene Klassen. Die durchschnittliche Klassenschülerzahl liegt demnach bei 29. Die Detailergebnisse zu den Stammdaten und den weiteren Fragen können im Anhang nachgelesen werden. Am "Kossuth-Lajos-Gimnazium" in Mosonmagyarovar, Ungarn, hat man eine Einschränkung der Befragung auf 7 Klassen vorgenommen, sodass man an allen Standorten von einer annähernd gleichen Zahl von Grunddaten ausgehen konnte. Am Gymnasium in Mosonmagyarovar wurde bereits 1987 mit Unterstützung von DDR-Lektoren und ab 1989 zusätzlich unter österreichischer Beteiligung mit der Führung eigener bilingualer Klassen begonnen. Im Jahr 1990 begann von österreichischer Seite eine ähnliche Bildungskooperation mit der ersten slowakischen Schule, dem "Gymnazium Bilikova" in Bratislava, in deren bilingualen Klassen von Anfang an nur österreichische Lehrer unterrichteten. Ein Jahr später wurden an dem tschechischen "Gymnazium Dr. Karla Polesneho" in Znojmo und an der "Obchodna akademia" Hrobarova in Bratislava die ersten bilingualen Klassen eröffnet. Die Handelsakademie in Bratislava ist von allen 9 Schulen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei, an denen es eine Bildungskooperation mit Österreich gibt, die einzige höhere Schule mit berufsbildendem Schwerpunkt. Von den insgesamt 897 Absolventen der Gymnasien in Mosonmagyarovar, Znojmo und Bratislava und der Handelsakademie in Bratislava haben 566 die Fragebögen ausgefüllt und zurückgesendet. Durch Gepräche mit Absolventen und durch viele zusätzliche Kommentare auf einzelnen Fragebögen lässt sich der Schluss ziehen, dass viele das ihnen entgegengebrachte Interesse sehr positiv aufgenommen haben, auch wenn an einzelnen Fragestellungen zurecht Kritik geübt wurde und Verbesserungsvorschläge gemacht wurden.