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Josef Anton Köpfle

 

Letzes Abendmahl
Öl auf Leinwand, Altarblatt, 1793

 

 

Jesus sitzt mit seinen Jüngern an einem Tisch. In der Hand hält er einen Laib Brot, und vor ihm auf dem Tisch steht ein Kelch mit Wein. Er blickt nach oben. Seine rechte Hand folgt seinem Blick. Die meisten der Jünger sehen auf Jesus. Nur Judas wendet sich ab. Er ist nach hinten gebeugt und sieht weg von Jesus. In der Hand hält er das Säckchen mit den dreißig Silberlingen. Das Abendmahl findet in einer Kirche oder in dem Haus eines sehr reichen Bürgers statt. Hinter Jesus ist ein Säulengang, der an einem Balkon endet, hinter dem ein sehr hoher Raum mit großen Fenstern zu sehen ist. Die Decke des Säulenganges sind zwei Kuppeln. Hinter Jesus ist er auf halber Höhe mit einem Tuch verhängt. Über dem Tisch hängt, zwischen einem hellrosa Vorhang durch zwei Kordeln zur Seite gehalten, ein Kerzenleuchter. Säulen und Leuchter sind reich verziert und lenken vom eigentlichen Sinn des Bildes ab.

Das Bild ist eigenartig gemalt. Zwar sind die Farben im Vordergrund stärker, doch der Hintergrund ist detaillierter. Er ist in jede kleine Einzelheit genau gemalt, während die Farben im Vordergrund leicht ineinander verschwimmen. Nichtigkeiten werden zu Wichtigkeiten erhoben. Das Licht zieht eine Mittellinie durch das Bild. Jesus und der Säulengang sind beleuchtet. Alles daneben verschwimmt im Schatten.

Josef Anton Köpfle scheint es beim Malen auf Architektur und Nichtigkeiten angekommen zu sein, denn er hat Säulen, Fenstersimse, Leuchter und Tischtuchsaum sehr detailliert gemalt, während die einzelnen Figuren doch etwas ungenau gemalt sind. Der eigentliche Sinn, das Abendmahl, geht dadurch etwas unter. Figuren und Hintergrund ergeben keine Harmonie.

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... eine Geschichte

 

 

Der Abend ist angebrochen, im Hause Jesu findet noch ein großes Abendmal statt. Gerade als Jesus seinen Wein zum Gebet heben will, schlägt SIE ein wie ein Blitz. Manche schrecken zurück, wie von einem leibhaftigen Blitz getroffen. Petrus steht da, in das GRELLE blickend; seine Hände ranken IHR entgegen und in seinem Inneren arbeiten die Gedanken: "Das ist SIE, immer wollte ich SIE haben; ich habe mein Leben lang nur für SIE gelebt und auf SIE gewartet. Nur ich soll SIE haben und keine andere dieser erbärmlichen Seelen!"

Langsam erwachen auch die anderen aus ihrer Starre und strecken IHR die Hände entgegen. Es ist die

E R L E U C H T U N G !!!

Jesus denkt bei sich: "Es ist wirklich SIE, der wahre Grund, warum ich auf dieser Welt überhaupt existiere. Ja, ich bin der Auserwählte. Und ich bin auch dazu auserwählt, die ERLEUCHTUNG zu erlangen - nur ich allein - und keiner dieser kleinen Bastarde wird sie bekommen. Nur ich, ich, ich!!"

Auch die Jünger Jesu wollen sich gegenseitig beiseite schaffen, um SIE endlich zu erreichen; doch der am weitesten emporragende Petrus kann sie mit dem heiligen Teller einfangen und in seinen Besitz bringen. Hastig stürzt er aus dem Raum und verschwindet mit diesem Schatz, auf den alle so lange gewartet haben.

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