Unsere Sprichwörter, Redensarten und Flüche sind reich an Anspielungen auf Hölle und Teufel. Ebenso treffen wir Hölle und Teufel in der Produktwerbung, wo sie beispielsweise Schmutz, Karies, schlechte Laune oder Schmerzen versinnbildlichen. Höllenmaschinen, Flammeninfernos und teuflische Pläne sind Standardvokabeln der Nachrichten und Medien. Auch aus der Alltagssprache kennen wir den Teufelskreis, Teufelskerl, Fehlerteufelchen und Druckfehlerteufel. Außerdem kennen wir alle den Krampus – Brauchtum mit Schokolade und Plüschabbildungen des schnippischen Bösewichts. Welches Bild machen wir uns in solchen oder ähnlichen Fällen vom Teufel? Es handelt sich nicht einfach um ein konkretes Bild, sondern um eine kleine Welt von Vorstellungen. Schriftliche und mündliche Überlieferungen, theologische Lehren, die bildende Kunst, Volksschauspiel und Brauchtum vermitteln uns ein Vorstellungsbild. Theologie, Philosophie, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften, Volkskunde, Theaterwissenschaft, Psychologie, Rechtsgeschichte und Geschichtswissenschaften bemühen sich um das Verständnis dieser Materie.
Der Teufel ist zuallererst ein religionsgeschichtliches Phänomen, eine zutiefst theologische Figur. In allen Religionen, nicht nur in der christlichen, existiert der Gegensatz von Gut und Böse. Wie Gott das Prinzip des Guten, verkörpert der Teufel im Christentum das Prinzip des Bösen. Im Hebräischen nennt man ihn Satan, d.h. "Wiedersacher", im Altgriechischen Diabolos, was "Verwirrer" bedeutet. Als einstiger "Bringer des Lichtes" (= lat. Lucifer) begnügte er sich nicht mit der Gottähnlichkeit, sondern strebte nach der Gleichheit mit Gott. Er stellte somit die Eigenliebe über die Liebe zu Gott - die fundamentalste und schwerste aller Todsünden, die Idee des absoluten Egoismus. Seine Strafe war der gewaltsame Sturz aus dem Himmel in die Hölle, die Umpolung zum Herrn der Finsternis, d.h. zum Anführer der häßlichen, böswilligen Teufel und Dämonen, also der Gegenwelt zu den Engeln.
Um 150 n.Chr. gibt es die ersten schriftlichen Überlieferungen durch den Barnabas Brief, wo vom schwarzen Mann die Rede ist. Deshalb zieht sich die schwarze Farbe dominant durch die ganzen Teufelsüberlieferungen. Auch "Herr der Finsternis" zeigt vom Auftreten des Teufels während der Nacht.
430 n.Chr. verstarb der Kirchenlehrer Augustinus, der sagte: "Wer das irdische Paradies sucht, läuft einer törichten Illusion nach". Er findet nur eine verkehrte Welt und diese Gemeinschaft der Gottlosen nannte er "Teufelsstaat."
500 n.Chr. tat sich eine neue Welt auf, alle heidnischen Götter wurden zu Dämonen erklärt. Als Dämonen verloren jene Vorbilder der Antike ihre Göttlichkeit und wurden zu Gesellen und Gesellinnen des Teufels degradiert. Einige Götter- und Dämonengestalten blieben im Volksgut erhalten z.B. Luftgeist, Hausgeister, Zwerge und Riesen.
787 n.Chr. das Konzil von Nicaea: " Jedes Bild der christlichen Kunst dient der religiösen Belehrung des Betrachters" – und das ist überwiegend das gewöhnliche Volk. Daher spielte die christliche Kunst bei der Enstehung des Teufelsbildes im Mittelalter eine große Rolle, besonders weil aus der Sicht des Volkes der Teufel das Interessante schlechthin ist, während die Engel, die langweiligsten aller Wesen sind.
| 9. Jahrhundert: Eidolon – Typus: Der Eidolon-Typus ist byzantinischen Ursprungs. Er ist der langlebigste, dargestellt als kleines, nacktes, mageres Schattenfigürchen, meist mit Flügeln, in der Luft schwebend, bald in Menschen-, bald in Vogel - oder Drachengestalt. In abendländischen Bilddarstellungen verkörpert er einen Geist, der den Menschen lediglich plagt, ohne ihn aber zum Bösen zu verführen. Er wohnt in Besessenen, plagt sie im inneren des Körpers und fährt im Falle des Exorzismus (Austreibung) aus ihrem Mund. | ![]() |
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12.Jahrhundert: Satyr – Typus: In Deutschland und England erfolgt eine Neuorientierung des Teufelsbildes am Vorbild der römisch-antiken Götterbilder. Die Satyrgestalt, ein Begleiter des römischen Bacchus, wird übernommen – eine Verbindung von menschlichem Oberkörper und Bocksbeinen, mit Schwanz, Hörnern, langen Tierohren, gesträubtem Haar und zottigem Fell.
Um 1300 wird aus dem Bocksbart der obligate Spitzbart, selbst der Buckelkorb, in dem die armen Seelen stecken, ist in der englischen Kinderbibel nachweisbar. Der beliebte Pferdefuß ist nur selten zu sehen. Selten sind auch Teufel mit Stelzfuß. Daß der Teufel mitunter hinkt, wird mit dem Sturz aus dem Himmel in Zusammenhang gebracht.
| Zwischen 1314 und 1321 ist durch die Höllenvision von Dantes " Göttlicher Komödie"
eine grauenhafte Bilderwelt der Hölle entstanden. Nun trat als neues Motiv die Angst vor den unzähligen
irdischen Fallen und Versuchungen des Teufels hinzu. Das Bild von Hieronymus Bosch " Das jüngste Gericht"
repräsentiert diese Entwicklungsstufe am besten. Teufelsdarstellungen um 1500 haben folgende thematische Schwerpunkte: der Engelssturz, die Höllenfahrt Christ, die Teufelsaustreibungen, die Versuchung einzelner Heiliger, die Illustration der Sterbebüchlein und das Weltgericht. Der Teufel wird als häßliche nackte Männergestalt mit Fledermausflügeln und Hörnern dargestellt. Diesem Zeitraum gilt besondere Aufmerksamkeit, weil jenes Teufelsbild auch noch für die heutige Vorstellungswelt maßgebend ist. |
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1575 - 1625: Martin Luther war jedesmal, wenn er auf ein Hindernis stieß, davon überzeugt, es mit dem Teufel zu tun zu haben. Der Geldverkehr, das Mönchstum seiner Zeit, die Riten der römischen Kirche, die Bauernkriege – all das waren für ihn sichtbare Werke des Teufels.
1569 – 1587: In diesen 18 Jahren wuchs das "Theatrum diabolorum" von zunächst 20 auf 34 Bücher über die Dämonologie an. Dem geneigten Leser wurde alles Wissenswerte über den Teufel und seine Werke vermittelt, unter anderem auch seine mannigfachen Erscheinungsformen als Kleiderteufel, Saufteufel, Hurenteufel, Wucherteufel, Fluchteufel, Spielteufel, Tanzteufel, Eheteufel u.a.m..
1595-1617: In dieser Zeit lassen sich achtzig gängige Dämonennamen nachweisen. Vereinfacht kann man daraus folgern, daß nebeneinander zwei Teufelsvorstellungen existieren: eine der kirchlichen Gelehrten, in der furchterregende Züge des Teufels dominieren, und eine des Volkes, die den Teufel vertrauter, sympathischer und menschlicher sieht.
16.und 17.Jahrhundert: Trotz der Gefährlichkeit und Schrecklichkeit des Teufels fehlt es nicht an Versuchen den Teufel ins Komische und Lächerliche zu verzeichnen. In 150 untersuchten Märchen kommt es 77mal zu einem Teufelspakt wovon in 62 Fällen der Teufel der betrogene ist, z.B. beim Errichten von Bauwerken, beim Glücksspiel, bei Wetten und als Liebhaber. Erst am Ende des 17. Jahrhundert erstarkten die Gegenkräfte.
18. Jahrhundert: Der abendländische Mensch meint die Dämonen überwunden zu haben. Mit immer raffinierteren Maschinen, Chemikalien, Theorien und Maßnahmen versuchen wir, über die oft feindlichen Naturmächte Herr zu werden. Der Primitive kennt seine Dämonen, unsere technische Fähigkeiten hingegen wirken antidämonisch. Wir glauben ihn los zu sein, während wir ihn in Wahrheit bloß nicht mehr sehen. Die vielen Maschinen, Spezialisten, Effekte und Errungenschaften verstellen uns die Sicht. Je mehr wir den Dämon verdrängen, desto stärker beherrscht er unser Wollen und Handeln. Dass über den Wolken die Freiheit grenzenlos wäre, bleibt aber zumindest aus philosophischer Sicht reinstes Blendwerk des Teufels. Hat er sich doch erst vor kurzem wieder unter dem Namen Challenger bestätigt und auf einen Schlag waren 7 Menschen beim Teufel. Und wie ist es mit dem weißen Tod, der uns zeigt, daß der Mensch den feindlichen Naturmächten nicht Herr werden kann, nicht mit allem Fortschritt und aller Technik unserer Zeit.