Meinrad Pizzini vertritt in seinem Artikel "Der Hexenwahn" die Theorie, dass die Beweggründe für die Hexenverfolgung nicht nur in der Ausrottung des Bösen bestand, sondern vielmehr in anderen Beweggründen. Sexualverdrängung, Aggressionen gegen Minderheiten und sozial Schwache, Unterdrückung archaischer Kulte, Möglichkeit der Disziplinierung durch Kirche und Staat, Ausschaltung politischer Gegner, Chance der Bereicherung für Verfolger und Verteufelung heilkundiger Frauen. Vor allem aber zählten Neid, Hass und Missgunst zu den Beweggründen.
Ein wichtiges Motiv war die Habsucht. Im 16. Jahrhundert sahen die Richter nur das Geld des Angeklagten. Der Richter wollte nur seine Einkünfte vermehren! Dies fiel aber auch auf. So zum Beispiel Kanonikus Loos. Durch seine offene Kritik gegenüber dieser Geldgier bekam er öfters Kerkerstrafen. Doch für eine gute Behörde war dies der beste und schnellste Weg, Geld zu verdienen. Dies ging aber nur bei den Hexenprozessen, denn da war alles erlaubt. Alles galt, außer ein Alibi des Angeklagten. Von dem Geld bekam aber nicht nur der Richter etwas, sondern auch andere, die bei dem Hexenprozess mitwirkten.
Besonders bei Herren, welche wenig Geld hatten und und denen der 30jährige Krieg alles nahm, war die Habsucht das einzige Motiv. Das sieht man bei diesem Beispiel: Ein Justizamtmann namens Geiss soll an die adeligen Herren ein Dokument geschrieben haben, in dem erklärt wird, dass das Zauberwesen wieder ausbrechen wird. Die Bürgerschaft meinte dazu, dass sie alle Unkosten und das Holz bezahlen würde, wenn die Herrschaft Lust zum Brennen hätte. Nebenbei erwähnte Geiss, dass man dann dafür genug Geld bekäme, um Brücke und Kirche wieder zu renovieren. Geiss selbst bekam für die Leitung einiger Hexenprozesse 188 Reichstaler.
Eine Orginalrechnung aus dem Jahre 1639 bestätigt dies. Es wurden dazumal für das Einäschern von 11 Hexen 425 Reichstaler verlangt.
Dass das Geld eines Angeklagten schon vor dessen Verbrennung ausgegeben worden ist, bestätigt dieses Beispiel: Die Gerichtspersonen gingen auf dessen Kosten Essen und Trinken. Der Angeklagte wurde aber nicht verbrannt, sondern nur aus dem Land gejagt. Trotzdem musste er dieses Essen zahlen, dazu noch den Verteidiger und die Abschlagszahlungen für die Wächter.
Nicht nur die Richter und Inquisitoren waren geldgierig, sonder auch Mönche. Ein Beispiel: Louis Berquin sagte seine Meinung über die frommen Betrügereien der Mönche und wurde so der Begünstigung des Luthertums beschuldigt. Ihn aber schützte der König. Aber dann wurde von Louis Berquin behauptet, dass er Zauberei und Teufelsanbetung betrieb. Jetzt wurde er nicht mehr beschützt und wurde mit durchbohrter Zunge lebendig verbrannt(1529). Es gab auch sogenannte Bettelmönche, die mit Säcken umherzogen, in welchen Hexenrauch, der gegen Zauberei half, war.
Bei der Zauberei ging es ziemlich einfach, seinen Feind loszuwerden und die Chancen auf Erfolg waren groß. So zum Beispiel schickte ein 11-jähriges Mädchen 20 Personen vor Gericht, nur weil sie mit einer Hausmagd gestritten hatte. Sie spielte eine Besessene. 5 von den 20 Personen wurden getötet.
Teufelsglaube und Inquisition:
Doch diese Motive können nicht der einzige Grund gewesen sein. Es muss noch andere, wichtigere Motive gegeben haben. Diese waren:
zu 1.: Der Teufelsglaube herrschte vom 15. Jhd bis einschließlich des 17 Jhd. und war furchterregende Realität. Die Angehörigen des Teufels waren Hexen und Zauberer, die von der Kirche mit geweihten Dingen ferngehalten werden mussten.
zu 2.: Durch das neue Beweisverfahren waren die Angeklagten ganz und gar der Willkür des Richters und der der Zeugen ausgeliefert. Mit der Einführung dieses neuen Gerichtsverfahrens begann auch die Hexenverfolgung.
zu 3.: Die Einrichtung eines Hexenprozesses bestand darin, dass keine Schranken gegeben waren. Dadurch war es in den meisten Fällen so, dass die Geständnisse erzwungen waren. Nicht nur das Geständnis wurde erzwungen, sondern auch die Preisgabe neuer Namen. Dadurch hatten die Hexenrichter immer neue Arbeit.
Diese 3 Motive waren hauptsächlich Schuld an der Verbreitung und an der langen Dauer der Hexenverfolgung.
Wahrung des Katholizismus( Gegenreformation) und Protestantismus
Die Erfolge der Protestanten im schmalkaldischen Krieg (1546-1547 zwischen Protestanten und Katholiken) führten zum Augsburger Religionsfrieden und zur Abschaffung der Todesstrafe für Protestanten im Namen der Ketzerei.
Aber kein Gesetz verbot, einen Protestanten, den man geschickt in Verbindung mit der Zauberei brachte, nicht zum Tode zu verurteilen. So war es ziemlich leicht Protestanten zu verfolgen, obwohl es verboten war. Das Geld der Getöteten blieb im Land und öfters bekam es sogar der Fiskus selbst.
Auch die Reformzeit konnte der Hexenverfolgung nicht Einhalt gebieten. Sie festigte sogar den Glauben an den Teufel. So entstand ein Wetteifern in den religiösen Gemeinschaften in der Ausrottung des Bösen. Einige warfen dem Gericht sogar vor, nicht streng genug in den Prozessen mit den Hexen umgegangen zu sein. Andere versuchten, diese zurecht zu weisen, und legten die Zahlen der Opfer vor, die täglich zum Feuertod verurteilt werden. Aber selbst noch im 19. Jahrhundert versuchte ein katholischer Schriftsteller nicht die Inqusition oder die päpstliche Bulle für die Ausmaße der Hexenverfolgung schuldig zu machen, sondern seiner Meinung nach wären einzig und allein Luthers Vorstellung von der Gewalt des Teufels Schuld daran. Dieser hatte die Lehre vom Teufel zwar übernommen, richtete aber den Aberglauben gegen die Kirche. Er fasste den Teufel als ein Werkzeug des göttlichen Zorns auf. Außerdem war er der Meinung, dass sich der Kampf gegen den Teufel im Inneren der Seele und nicht wie die Kirche meint, rein äußerlich abspielt. Nach Luthers Vorstellung kann man den Teufel nur im Wachsen des Glaubens und im innigen Gebet besiegen, und nicht wie die Kirche mit irgendwelchen Mitteln, wie Wachs oder einem Gemisch von Friedhofserde mit Weihrauch.
Jedoch war auch Luther für eine Bestrafung von Hexen, welche den Nächsten nichts Gutes wollen und war somit auch ein Kind seiner Zeit.
Defizit einer naturwissenschaftlichen Geisteshaltung
Da es in der Medizin kaum Grundkenntnisse gab, versuchte man alles auf die Macht des Teufels zu schieben. Ärzte wie der englische Arzt Robert Fludd (+1637) glaubten trotz fortgeschrittener Kenntnisse an Dämonen. Seiner Meinung nach lebten Dämonen, die spezielle Krankheiten erzeugten, auf jedem Planet. Auch der Rostocker Arzt Sebastian Wirdig glaubte an 2 Arten von Geistern. Die Geister des menschlichen Körpers, die sich mit den Geistern der Luft (Wärme und Kälte) verbinden, und somit Krankheiten hervorrufen würden. Man suchte in alten Schriften nach Beweisen und fand sie, da seit je her die Menschheit vom Aberglauben so besessen war, dass man die Ursachen nicht in den Naturgesetzen suchte, sondern an Magisches glaubte. Einige Gelehrte wurden auch zum Scheiterhaufen geführt und man erklärte den Leuten zur Abschreckung: "Seht die Macht des Teufels. Dieser Mann mag ein Gelehrter sein, aber wenn der Teufel die Macht über ihn besitzt, seht ihr was geschieht!".