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Das Treiben der Hexen

Den Ort, wo die Hexen zusammen kamen, nannten sie Bockswiese, da dort der Teufel in Gestalt eines Bockes erschien. Montag, Mittwoch und Freitag jeder Woche waren für die Zusammenkünfte bestimmt, außerdem auch hohe Kirchenfeste wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Berüchtigt für die Zusammenkunft von Hexen ist seit Goethes Faust in Deutschland auch die Walpurgisnacht (1.Mai). Zum Hexensabbat ritt man auf Böcken, Hun-den, Schweinen, Stöcken, Besen usw.. Meistens werden zum Fliegen Formeln verwendet, wie "Auf und davon, hui, oben hinaus und nirgends an." . Die Versammlungen mussten um Punkt Mitternacht ihr Ende finden.

Der Teufel erscheint in Gestalt eines schwarzen, häßlichen, jähzornigen Mannes. Er sitzt auf einem verzierten Stuhl aus Holz und trägt eine Krone mit Hörnern. Er besitzt einen Bart, der dem Bart einer Ziege gleicht. Der Teufel wurde als halb Mensch und halb Bock beschrieben. Die Füße ähneln der einer Gans und seine Stimme ist rauh und furchtbar. Wenn die Versammlung beginnt, werfen sich alle Hexen auf den Boden, beten und küssen dem Satan den linken Fuß, die linke Hand, den After und die Genitalien (= osculum infame), wobei er einen abscheulichen Gestank von sich gibt.

Dann wird eine schwarze Messe zelebriert. Der Teufel im schwarzen Ornat hält eine Predigt , in der er vor einer Rückkehr zum Christentum warnt. Höhepunkt ist die Ausgabe des Abendmahles in Form einer schwarzen , zähen Hostie und einer schwarzen , bitteren Flüssigkeit aus einer Kuhklaue. Sodann ergibt man sich ohne Rücksicht auf Geschlecht, Verwandtschaft und Alter in wüste Sexorgien.

Wer aufgenommen werden will, muss dem Teufel seine ewige Treue schwören und Gott Jesu Christi entsagen (z.B. "Da stehe ich auf dem Mist, verleugne Gott, alle Heiligen und meinen Jesum Christ"). Nach der Abschwörung drückt der Teufel mit seiner Klaue der linken Hand dem Novizen ein Zeichen auf den Körper, der dadurch unempfindlich und vollkommen wird ( stigma diabolica). Hierauf gibt er der Neuen ( dem Neuen) eine Kröte (oder auch ein anderes Tier, z.B. Hund, Katze oder Eule) und verleiht ihr/ihm durch deren Sekrete die Kraft zu fliegen und sich unsichtbar zu machen. Das Tier muss sorgfältig gepflegt werden. Wenn er ausreichend Schaden gestiftet hat, verleiht ihm der Teufel seinen Segen und erkennt ihn zu einem der Seinigen.

Nach der Versammlung schickt der Teufel alle zurück und befiehlt so viel wie möglich Schaden zu stiften. Die Hexen verwandeln sich dabei in Hunde, Katzen und andere Tiere und zerstreuen sich.

Der Teufel macht auch Besuche in den Wohnungen der Hexen. Ein kleines, in die Tür gebohrtes Loch genügt dem Teufel und den Hexen zum Ein- und Ausgang.

Der Besuch von Gottesdiensten ist für Hexen und Zauberer nicht ganz verboten, wenn diese während dem Gottesdienst unanständige Wörter sprechen oder am Abendmahl teilnehmen, die Hostie aus dem Mund nehmen und sie nachher dem Teufel zur Schändung bringen .

Die Hauptverpflichtung einer Hexe bestand darin, dem Teufel zu gehorchen und die Christen an Leib und Seele, Hab und Gut möglichst zu schädigen. Pulver, Kräuter, Hexensalben und Zauberformeln sind ihre Instrumentarien. Oft genügten auch schon ein Blick, ein Wort, ein Gruß oder eine oberflächliche Berührung. Vom Zaubertrank, der Krankheit verursacht, bis hin zu Hexensalben aus Neugeborenen und dem Massenmord an Kindern ist uns in den Protokollen der Hexenprozesse alles überliefert. Es würde aber den Umfang dieser Arbeit sprengen, all diese aus Menschen blutigst herausgefolterten Phantasien aufzuzählen.