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Am Anfang nur Materie Früheste Spuren der ersten Europäer Artefakte, ein Kultplatz Höhlenmalerei vor 40.000 Jahren Griechische und römische Schriftzeichen Ein neuer Anfang - Christentum - die Zeitrechnung Eine Epoche finsterer Geheimnisse und Geheimbünde Renaissance, die Kante zur Neuzeit Die vier Türen erinnern an die Paradiese Am Ende eine polierte Kugel
Am Anfang Europas war nur Materie, am Anfang Europas war nur Stein. Es beginnt mit einem Schritt in die noch jungfräuliche Erde: Die Lös-, Mergel-, Ton-, Ocker- und Roterdeschichten zeigen ein schönes, farbig-harmonisches Bild der dünnen Erdkruste, die uns trägt. Pflanzliches und tierisches Leben entsteht. Die Evolution nimmt ihren Lauf. Auch die ersten Spuren der ersten Europäer sind Teil unserer Erde: Angekohlte Hölzer, Feuerspuren, behauene Steine, die ersten Werkzeuge. [O-Ton] Adolf Frohner (19.04.1999)
Eine Art Kultplatz: Der Mensch richtet sich zum ersten Mal in Europa auf, in dem er das Material der Natur als Artefakt aufrichtet. Kahle, zugeschliffene Baumstämme. Man saß rundherum, versammelte sich, betete Götter an - brachte vielleicht Opfer dar. Der Einzelne tendiert schon zur Gruppe. Seine Wirklichkeit hat außer den Bedürfnissen schon das Kultische, Magische und Rituelle eingeschlossen. Holzpfähle und Sitzsteine empfinden einen von Urmenschen verlassenen Kultplatz nach.
Die Menschen der Vorzeit gaben das Bild ihrer Wirklichkeit an den Wänden ihrer Wohn- und Kulthöhlen wieder: unter der Erde vor 40.000 - 50.000 Jahren. Ihr Selbstbewußtsein zeigten sie damals mit Symbolen und Zeichen. Der Mensch besitzt das Feuer und kann Werkzeuge herstellen. Nun bricht er aus der Enge der Höhle aus. Er sehnt sich nach einem weiteren Aktionsradius, nach Begegnungen und Herausforderungen. [O-Ton] Adolf Frohner (19.04.1999)
Die Herausforderungen wecken eine Schöpferkraft. Der Mensch erfindet das Rad und Werkzeuge des Tötens. Er wechselt seinen Wohnort, wandert umher, wagt sich aufs Meer, begegnet anderen Völkern und treibt Handel.
Andere Spuren hinterläßt der Mensch ganz bewußt. Er wird zum Künstler, er lernt, sich in Symbolen auszudrücken und beginnt, die Schrift zu entwickeln. Kratzer, Hieroglyphen, keltische Zeichen und griechische Buchstaben verweisen auf die europäische Kulturentwicklung. Eine Säule mit römischen Zeichen bildet den Abschluß des Klassischen Zeitalters.
Eine neue Zeitrechnung beginnt: Unsere Zeitrechnung. Aus Jerusalem kommt der Stifter des Christentums. Ein neuer Anfang unter den Zeichen des Fisches, der Taube und des Kreuzes. Unter Kaiser Konstantin kommt religiöse Provinz aus Kleinasien in die damalige Hauptstadt der Welt: Rom. Auf die klassische Periode folgt nun das Zeitalter des Kreuzes. Dieses wird zum neuen Kultzeichen für Europa, das nun die Epoche der Alchimie und der Scholastik durchlebt, eine Zeit finsterer Geheimnisse und Geheimbünde. Alle Spuren aller Werkzeuge, alle Leidenschaften: Liebe und Haß, Krieg und Frieden, Leben und Tod. Wieder ein Anfang: Zeitenwende und Wendezeit. Die Renaissance leitet die Zeitströme von der Antike in die Moderne. Eine scharfe Kante bildet den Übergang zur Neuzeit, zu offener Geisteshaltung und rationalem Denken. Sowie zur Ideenkunst eines Leonardo da Vinci, der sich bereits damals mit dem alten Menschentraum vom Fliegen auseinandersetzte, wie die Konstruktionszeichnung eines Fluggerätes zeigt. [O-Ton] Adolf Frohner (19.04.1999)
Öffnen und Schließen, Verschließen und Schützen, oder die Möglichkeit, durch sie hindurch woanders hinzukommen. Sind es die vier Jahreszeiten? Die vier Himmelsrichtungen? Die Elemente oder Temperamente? Im Garten Eden entspringt ein Fluß, der sich in vier Arme teilt und das Leben in alle vier Weltgegenden trägt. Die vier Türen erinnern an die Paradiese, die die Menschen je ersannen. Die Phantasie jedes einzelnen Betrachters wird eine andere Interpretation finden. Wir sind in der Neuzeit.
[O-Ton] Adolf Frohner (19.04.1999)
Eine Wand aus Nirostastahl, die Säulen davor aus den drei Grundelementen der Geometrie - Kreis, Dreieck, Viereck - gebildet. Diese letzten Schritte durch Europas Entwicklung vermitteln die Kühle einer Zeit, in der die Oberfläche, die Gestaltung, das Design dominieren. Am Ende des Weges ist eine geschliffene und polierte Kugel.

Birgit Hofmann & Julia Tarasenko