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Ästhetisch-bildnerische Erziehung

Bildungs- und Lehraufgabe:

Ästhetische Erziehung bzw. ästhetische Bildung umfaßt als Begriff nicht nur die Welt der anschaubaren Objekte und Ereignisse, sondern als ,,Methode" auch handelnd-verstehende Arten ihrer Erschließung und Gestaltung bzw. Wege des Selbstverstehens.

So werden im Laufe des Prozesses einer ästhetischen Bildung am Anfang gerade die Arten der Erschließung der Umwelt dominieren. Auf sinnlich taktil-motorische Weise wird z. B "DAS WEICHE" oder "DAS WEICH-SEIN" erst als Erlebnis erfahren, das dem "ICH" angenehm ist, bzw. beim ,,ICH" ein angenehmes Gefühl erzeugt. Erst in der Folge entsteht die Erkenntnis "des Weichen" als eine Eigenschaft bestimmter Objekte: so entsteht also auch der Begriff des "ICH" gegenüber dem "ANDEREN".

Aus diesem Verständnis heraus kann sich dann die Erkenntnis der Intermodalität (zarte Klänge, weicher Stoff, Pastellfarben) entwickeln, welche einerseits zum eigenen autonomen Umgehen mit dieser Eigenschaft und ihrer Gestaltung führt, und die andererseits den Grundstein des Zeichen- bzw. Bildverständnisses bildet, das wieder die Einsicht in einen bildnerischen Kanon ermöglicht.

Didaktische Grundsätze:

  • Jede Arbeit mit Schülerinnen und Schülern zur Förderung eines Wahrnehmungsprozesses setzt handlungsorientierte (sinnlich, taktil-motorische) Erfahrungsmöglichkeiten voraus. Nur durch "Aktion-Reaktion" besteht die Chance einer Internalisierung des Wahrgenommenen und Erlebten.
  • Die Bildungsarbeit bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf erfordert in vielen Bereichen der ästhetischen Erziehung eine Einzelbetreuung. Die jeweilige Entwicklungsphase bzw. die Entwicklungsmöglichkeiten von physischen Fertigkeiten der Schüler sind zu bedenken. Dabei kommt es auf gute Beobachtung und kreative Erfindungskraft in der Ausschöpfung von Einsatz- und Umgangsmöglichkeiten mit Werkzeugen, Materialien und Hilfsmitteln an.
  • Das individuelle Eingehen auf die Schüler, die Achtung der kindlichen Vorlieben und Emotionen, ihrer gestalterischen Handlungen und der dabei entstehenden Werke sind im Rahmen des Aufbaus ihrer Selbstachtung und Selbsteinschätzung wesentliche Voraussetzungen.

Die Schüler sollen ermutigt werden, selbst auszuwählen, eigenen Wünschen nachzugeben, persönliche Ideen auszuführen. Bei allen Förder- und Stützaktivitäten im Bereich der ästhetischen Erziehung bzw. Bildung soll nicht aus dem Blick verloren werden, daß

  • die Genußfähigkeit der Schüler bezüglich der Wahrnehmung und des Gestaltens der eigenen Umwelt gestärkt,
  • das Verändern der Umwelt durch eigenes Handeln der Schüler ermöglicht und
  • durch Stärkung der Wahrnehmungskompetenz der Schüler der Aufbau und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit, ihres Selbstbewußtseins und ihrer SeIbstachtung angestrebt werden soll.

 Lehrstoff:

Handlungsfeld: Lerninhalte/Lernziele
Mit Hilfe anderer Spuren machen - Hilfestellungen annehmen
  - Mit Hilfe anderer Spuren machen
  - Reizunterschiede wahrnehmen
  - Vorlieben für bestimmte Reize entwickeln
  - Den Wunsch nach Beteiligung an einer Tätigkeit äußern
  - Auch die Wünsche anderer Gruppenmitglieder akzeptieren
Spuren machen - Seinen Körper ganzheitlich in bezug auf die sich ändernde Umwelt erfahren
  - Sich linear bewegen, einen Körperteil linear im Medium bewegen
  - Spuren auf Grund einer (wiederholbaren) Handlungsbewegung vom Körperschema ausmachen
Die eigenen Spuren wahrnehmen - Verschiedene Spurenmaterialien auf der Körperoberfläche wahrnehmen
  - Spuren durch Körperbewegungen erzeugen
  - Spuren aus Materialien und Bewegungen entstehen lassen
Mit seiner Bewegung Raum ausfüllen - Mit seiner Bewegung Raum ausfüllen
An seinen Spuren seine Handlung erkennen - Selbst mit dem Spurenmachen anfangen
  - Das fehlende Material zum Spurenmachen fordern
  - Fordern, selbst "Spuren machen" zu dürfen
Viele Spurmaterialien kennenlernen - Verschiedene Spurmaterialien erproben
  - Bei Malaktionen Eigenschaften von Spurmaterialien erfahren
Räumliche Abfolgen mit Zeit in Zusammenhang bringen - Lernen, mit Pinsel und Farbe Spuren zu machen
  - Spuren langsam oder schnell zu machen
Zeichen bzw. Spuren von anderen kennen - Die Spuren anderer während des Entstehens wahrnehmen
  - Spuren auch später mit ihrem "Erzeuger" in Verbindung bringen
  - Auf die Spuren anderer mit eigenen bildnerischen Aktivitäten reagieren
Spuren auf Grund eines Erlebnisangebotes machen - Optische Reize in Mal- bzw. Zeichenbewegungen übersetzen
  - Die eigene Spur durch akustische Reize beeinflussen lassen
Pinsel, Filzstift, u.a. Grafik- und Malgeräte steuern - Kreisbewegungen machen
  - Auf- und Abbewegungen machen
  - Einen vorgegebenen Weg in horizontaler Bildfläche verfolgen
  - Freie Zeichen- oder Malbewegungen auf Grund akustischer Reize ausführen
Bewußt Anfang und Ende einer Aktion setzen - Spuren in freier Form innerhalb einer bestimmten Zeitspanne setzen
  - Spuren in gebundener Form ( z. B. Schneeflocken, Regen....) innerhalb einer bestimmten Zeitspanne setzen
Die Grenzen der Aktionsfläche erkennen - Die Grenzen des eigenen Körpers erfahren
  - Raumgrenzen erfahren
  - Andere Personen als Gruppe erfahren
  - Die Grenzen des eigenen Aktionsraumes erfahren und diese akzeptieren
  - Die Größe des eigenen Aktionsraumes kennenlernen
Anderen durch eigene Zeichen etwas mitteilen - Primäre Eigenschaften von Objekten im Rahmen eines Erlebnisses expressiv und visuell konkretisieren (und dadurch mitteilen)

 

  - Ein Element einer bedeutsamen Situation visuell konkretisieren
Eigenen oder gefundenen Spuren Zeichenfunktionen und Bedeutung zuordnen - Zufällige und gewollte visuelle Analogien zur Umwelt interpretieren
  - Eine additive Gestalt aus vorgegebenen Materialien zusammenfügen
Eigene Zeichen gestalten - Für sich selbst bedeutsame Objekte und Erlebnisse auf verschiedenste Art in Zeichen "verwandeln"
Die eigenen Zeichen eine Geschichte bilden lassen - Vergangenes wieder ins Gedächtnis rufen, indem es zeitlich geordnet und in Zeichen wiedergegeben wird
  - Die eigene Befindlichkeit ausdrücken
Die eigene Aktionsfläche als narrativen Ort erfahren - Teile oder Ganzheiten des Umfeldes bildnerisch wiedergeben
  - Aus Neugier auf gewisse Dinge diese genau betrachten und sie für sich und andere erkennbar darstellen