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Mathematik

Bildungs- und Lehraufgabe:

Mathematikunterricht ist als integrativer Anteil am gesamten Unterricht zu verstehen. Der Unterricht für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf muß sich. daher auf die individuell entwickelten Voraussetzungen, die die einzelnen Schüler bereits mitbringen, beziehen und diese erweitern. Elementare Fertigkeiten und Fähigkeiten sind notwendig für die Bewältigung von Problemstellungen des Alltags. Sie ermöglichen, die Umwelt zu erschließen, zu verstehen und zu strukturieren.

  • In den Bereichen

  • Person und Gemeinschaft

  • Zeit und Raum

  • Objekte der Umwelt

  • Mengenbildung (Zahlbegriffsbildung und Mengenoperationen

  • (Rechenoperationen)

stellen sich Probleme, deren Bewältigung nur über das Bereitstellen mathematischer Erfahrungsmöglichkeiten erfolgen kann.

Lernangebote, an denen die Schülerinnen und Schüler durch eigenes Handeln Erfahrungen sammeln können, sind Voraussetzungen für die Entwicklung mathematischen Denkens. Nur über das ,,Durchlaufen" von Handlungs- und Bildebene können sie zur Symbolebene gelangen. Sie lernen so nach und nach Begriffe und Ordnungen - auch abstrakter Art wobei die anfangs individuellen Symbole zu allgemeingültigen Zeichen führen. Dieses Lernen wird am besten gefördert, wenn die Schüler allein oder in Gruppen tätig sein können; Kooperationen in kleinen Teams werden dabei sehr häufig eingesetzte -Arbeitsformen sein, wobei Lernanlässe über vielfältige Medien zu einer Lernatmosphäre führen.

Didaktische Grundsätze:

1. Mathematik - Person und Gemeinschaft

Für den Mathematikunterricht mit schwerbehinderten Schülerinnen und Schülern bedeutet dies:

  • daß Unterricht für die Schüler Möglichkeiten schaffen muß, die soziale und physische Welt in der Klasse mitzugestalten, umzugestalten und - mit ihren entwickelten Handlungsmöglichkeiten für sich zu vereinnahmen;

  • daß Unterricht für die Schüler die Möglichkeit bieten muß, sich mit Ihren Kollegen zu messen.

  • daß es von großer Bedeutung ist, wie mit Grenzüberschreitungen (und sich möglicherweise daraus ergebenden Konflikte umgegangen wird;

  • daß die Lehrer im Unterricht nach motivierenden Möglichkeiten suchen müssen, damit die Schü1er auf ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe die entwickelten mathematischen Ordnungen als so wertvoll erachten, daß sie sich der Mühe unterziehen Wollen, sie sich zu eigen zu machen.

Bei allen Tätigkeiten erlebt jede Schülerin bzw. jeder Schüler, daß sich Gruppen bilden, die sich ändern, sich in ihrer Zusammensetzung neu bilden usw.. So lernen die Schüler allmählich ein Regelbewußtsein und ein Regelverständnis, das es ihnen ermöglicht, mit den Menschen ihrer Gemeinschaft zusammenzuarbeiten und die Umwelt zu mathematisieren.

2 Mathematik - Zeit und Raum

Das Gemeinschaftsleben wird auch durch Zeit und Raum strukturiert. Im immer wiederkehrenden Tages- und Wochenablauf erleben die Schüler z. B das zeitliche Hintereinander, und allmählich wird der Tagesablauf bzw. der Wochenablauf durch die zeitliche: Gliederung überschaubar. Alle Wahrnehmungen und Handlungen vollziehen sich in der Zeit. Somit stellt die Orientierung in der Zeit, d.h. die zeitliche Strukturierung von Wahrnehmung und Handlung einen wichtigen Baustein des Lernens dar.

Die Zeit ist ein wesentlicher Orientierungsfaktor für das Zusammenleben Das Gefühl für Gleichzeitigkeit und zeitliches Nacheinander erlangt im Bereich der Mathematik z. B beim Erlernen des Zählens Bedeutung.

Die Gegenwart ist der Ausgangspunkt für den entsprechenden Lernprozeß. Von da aus kann erinnert oder vorausgedacht werden. Zeitliche Beziehungen zwischen Ereignissen werden hergestellt, eine z.B. für das Beherrschen von Rechenoperationen wichtige Teilfertigkeit.

Ein weiterer Aspekt der Dimension Zeit im Zusammenhang mit Lernen ist die Fähigkeit der zeitlich-räumlichen Koordination. Da die Schüler in Zeit und Raum leben, sind sie gezwungen , Zeit- und Raumerfahrungen zu verbinden.

Die Orientierung im Raum geht vom eigenen Körper aus.

Der durch das Körperschema geschaffene Bezugsrahmen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die eigene Raumlage und die Raumlage von Objekten zu erkennen und räumliche Beziehungen zu erfassen.

Geometrische Fähigkeiten wie ,,Erfassen der Raumlage" und ,,Erkennen räumlicher Beziehungen" gehen als Teilleistungen in die simultane und gliedernde Mengenerfassung ein und damit in den Aufbau von Zahlvorstellungen.

3. Mathematik - Objekte der Umwelt

Mathematische Grunderfahrungen mit Objekten werden auf zwei Wegen, die teilweise parallel verlaufen, gewonnen:

a) durch den individuellen Umgang mit Objekten und

b) durch den kulturellen Umgang mit Objekten.

ad a) Der Körper dient als erstes Objekt. Eigenschaften und Beschaffenheit der nächsten Umgebung werden zunächst noch undifferenziert und wenig getrennt von der eigenen Person erlebt.

Nach und nach werden Gegenstände berührt, in den Mund genommen, in Bewegung versetzt ...Der dabei erzeugte Effekt spielt eine wesentliche Rolle.

Erst als nächster Schritt werden Gegenstände für sich interessant. Ihre Eigenschaften werden erprobt, verglichen, eingeordnet.

ad b) Der individuelle Umgang mit Objekten hängt von den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten, Normen und Werten ab. Er ist einbezogen in Alltagshandlungen die in ihrer Wiederholung Sicherheit und Strukturierung von Zeit und Raum gewähren. Der Gebrauchswert von Gegenständen kann wiedererkannt und richtig eingeschätzt werden.

Die Klärung von Besitzverhältnissen (z.B. das gehört mir, das dir) ist die notwendige Voraussetzung für Tauschwertabstraktionen, die eine Basis unserer kulturell entwickelten, mathematischen Problemlösestrategien darstellt.

Für den Mathematikunterricht ist von großer Bedeutung:

- Eine Auswahl von verfügbaren und ihrem Gebrauchswert adäquat verwendbaren Gebrauchsgegenständen.

- Die Abstimmung der Angebote und Schwerpunkte auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Schüler.

- Die Möglichkeit der Teilnahme an der Planung, Gestaltung und Veränderung des Alltagslebens.

- Die Möglichkeit, Eigentum zu besitzen und zu erhalten.

4. Mathematik - Mengenbildung (Zahlbegriffsbildung und ,Mengenoperationen (Zahloperationen)

Das Umgehen mit Objekten führt zur Bildung von Mengen. Das Zusammenfassen von Objekten zu einer Menge und das Vergleichen von Mengen führt zu den grundlegenden geistigen Ordnungsprinzipien und ermöglicht dadurch erst die Zahlbegriffsbildung. Das Operieren mit Mengen führt hin zu den Rechenoperationen und damit zur Fähigkeit, die Umwelt rechnerisch durchdringen zu können.

Lehrstoff:

Handlungsfeld: Lerninhalte/Lernziele:
Mathematische Entwicklung unter dem personalen Aspekt - Die physische Welt in der Klasse mitgestalten
  - Die soziale Welt in der Klasse mitgestalten
  - Sich messen können
  - Grenzen erkennen und anerkennen können
 

- Konflikte austragen lernen

Mathematische Entwicklung unter dem sozialen Aspekt

- Eine Gruppe als Menge erleben

  - Gruppen vergleichen
  - Gruppen verändern
  - Regeln erkennen und einhalten
Mathematische Entwicklung unter dem zeitlichen Aspekt - Zeit als Strukturierung des eigenen Lebens und des Lebens in der Gemeinschaft erleben
 

- Gleichzeitigkeit und zeitliches Nacheinander erleben

 

- Gegenwart / Vergangenheit / Zukunft erfassen

 

- Zeit und Raum koordinieren

Mathematische Entwicklung unter dem räumlichen Aspekt - Bewußtwerden und Benennen der Körperteile
 

- Erleben der Körperachse

 

- Bewußtmachen der Lateralität

  - Sich im Raum orientieren
  - Räumliche Beziehungen erfahren, erkennen und benennen
  - Eigenschaften von Körpern und Flächen benennen
  - Den Raum mit Maß und Zahl durchforschen
Mathematische Entwicklung unter dem funktionalen Aspekt - Umgang mit Objekten - Eigene Erfahrungen mit Objekten machen
  - Den Gebrauchswert eines Objektes erkennen
  - Symbolverständnis entwickeln
  - Besitzverhältnisse klären
  - Mit Geld umgehen
   
Mathematische Entwicklung unter dem Zahl -, Rechen- und Anwendungsaspekt - Entwicklung grundlegender mathematischer Fähigkeiten wie Feststellen von Eigenschaften, Unterscheiden und Vergleichen, Klassifizieren von Mengen
  - Entwickeln des Zahlbegriffs durch Mächtigkeitsvergleiche, durch Zählen
  - Aufbauen von Zahlenräumen
  Ausführen von Handlungen wie Dazugeben, Wegnehmen usw., Gewinnen der entsprechenden Rechenoperationen
  - Lösen von Sachproblemen aus Spiel- und Sachsituationen