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Deutsch (Sprache - Lesen - Schreiben) Präambel

Nur die aktive Teilnahme am Alltagsleben in einer Kultur ermöglicht es Menschen, die geltenden Werte, Bedeutungen und Mittel zu erwerben.

Kulturtechniken sind Mittel, mit denen man an der Kultur eines Volkes teilhaben kann. Sie können nur in kulturell eingebundenen Handlungsfeldern erfahrbar gemacht und erworben werden. -Kulturtechniken helfen die Welt, in der man lebt, zu ordnen.

Möglichst gute Beherrschung der Sprache, Lesen- und Schreibenkönnen sind die wichtigsten Mittel zur Bewältigung des Daseins in der heutigen Zeit. Es muß daher davon ausgegangen werden, daß sowohl die kleinste Verbesserung im Sprachverständnis und im Sprachausdruck als auch jede elementare, bruchstückhafte Aneignung der Fertigkeit des Lesens und Schreibens für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung ihrer Selbständigkeit, ihrer Lebenstüchtigkeit, ihres Selbstwertgefühls und ihrer Erlebnis- und Kontaktfähigkeit bedeutet.

Kinder erwerben die basalen Fähigkeiten, die sie zum Erlernen unserer entwickelten, abstrakten, symbolischen Kulturtechniken benötigen, üblicherweise im Alltag vor Schuleintritt. Kinder mit erhöhtem Förderbedarf sind dabei auf Grund ihrer Behinderung auf besondere Unterstützung - angewiesen. Viele werden wahrscheinlich diese Kulturtechniken nie losgelöst vom Alltagsleben, in dem diese ,,Kulturtechniken" Sinn und Bedeutung gewinnen, anwenden können.

Der Unterricht für Schüler mit erhöhtem Förderbedarf muß sich daran orientieren.

 Sprache

Bildungs- und Lehraufgabe:

Sprache ist( ein wesentliches Mittel zwischenmenschlicher Verständigung. Dies gilt sowohl für die Ebene präverbaler Kommunikation als auch für die Ebene, auf der Sprache Trägerin von Sinn und Überlieferung ist.

Sprache als geistiger Besitz von Worten und deren Sinngehalt ist für den Menschen das Mittel zum Wahrnehmen und Erkennen des Seins. Sie erst ermöglicht bewußtes Denken und Lernen, das Mitteilen seiner Gedanken und das Übernehmen anderer Gedanken.

Der Erwerb jedes einzelnen Wortes und seiner Bedeutung bedeutet daher für die Lernenden eine Erweiterung dieser Möglichkeiten.

Aus diesem Grund soll die Verbesserung des Sprachvermögens auch für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf nicht nur im Mittelpunkt des Deutschunterrichts stehen, sondern überhaupt wichtigstes Unterrichtsprinzip allen Lernens darstellen.

Bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf kann im allgemeinen eine altersgemäße Sprachentwicklung nicht erwartet werden. Häufig besteht auch ein großer Unterschied zwischen Sprachverständnis und Sprachgebrauch.

Didaktische Grundsätze:

  • Nonverbale Äußerungen der Schüler sind kommunikative Angebote und als Vorstufe zum Spracherwerb zu verstehen.
  • Die wirkungsvollste Form der Sprachschulung von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf stellt die Konfrontation der Schüler mit wirklichen Gegenständen, Sachverhalten und Handlungen sowie deren Verbalisierung durch den Lehrer und durch die Schüler dar. Ausgangspunkt bei der Sprachschulung soll die von den Schülerinnen und Schülern mitgebrachte Sprache (Herkunftssprache) sein. Ihre Diskriminierung ist zu vermeiden. Eine eventuell vorhandene Scheu zu sprechen soll in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens abgebaut werden.
  • Kritik, Erfolgskontrolle und Korrekturen sind auf das Notwendigste zu beschränken. Der Mut sie auszudrücken und die Freude am Sprechen sollen wichtiger sein als sprachliche Richtigkeit. Verstöße gegen Sprachrichtigkeit sind besser später durch geeignete Übungen zu beheben.
  • Die behutsame Annäherung an die Schriftsprache geschieht durch Vorlesen, Erzählen, durch Reime, Lieder und durch den Einsatz von Medien.
  • Auf theoretisches Grammatikwissen ist im allgemeinen zugunsten des Übens der funktionalen sprachlichen Sicherheit zu verzichten.
  • Zu beachten ist, daß Sprachverstehen dem Lesen und Schreiben vorausgeht.

Lesen

Bildungs- und Lehraufgabe: 

Der Leseunterricht für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf umfaßt das Aneignen von Inhalten

1. aus enaktiver Darstellung (aus realen Gegebenheiten z.B. einen wirklichen Apfels ,,Apfel" erkennen),

2. aus ikonischer Darstellung (aus Abbildungen realer Gegebenheiten in Form von Bildern, Zeichnungen, Skizzen usw. z.B. einen gezeichneten Apfel als ,,Apfel' erkennen),

3. aus Schriftzeichen und anderen Symbolen.

 Während der psychologische Prozeß des ,,Lesens" enaktiver und ikonischer Darstellungen darin besteht, in den realen Gegebenheiten und Abbildungen Worte und ihre Sinngehalte zu erkennen, besteht das Lesen von Schriftzeichen darin, den Sinngehalt vorgegebener Worte wiederzubeleben, sich diesen Sinngehalt wieder vorzustellen. Voraussetzung für alle drei Formen des Lesens ist der geistige Besitz sowohl der zu lesenden Worte als auch deren Sinngehalt. Sprachpflege in Form von Begriffsbildung muß daher immer dem Lesen vorangehen.

Didaktische Grundsätze.

Der Leseunterricht in der Schule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf beschränkt sich nicht nur auf das Lesen von Buchstaben und Schrift. Viele Schüler werden diese Stufe niemals erreichen können. Der Ausgangspunkt des Leseunterrichts wird das Erleben von Sinngehalten in allen Bereichen der menschlichen und gegenständlichen Umgebung der Schüler sein.

Für die Mitteilung von Sinngehalten. die aus enaktiver und ikonischer Darstellung gewonnen wird, soll jegliche Form der Sprache anerkannt werden, von Mitteilung durch konkrete Handlungen über Gesten und andere Formen der Körpersprache bis zu schriftsprachlicher Benennung.

Jede Form des Lesens von der Bezeichnung eines Hundes mit "Wauwau" bis zum naiv-ganzheitlichen Lesen eines Wortes kann für einzelne Schüler als Ziel gelten.

Schreiben

Bildungs- und Lehraufgabe:

Unter Schreiben für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf soll jegliche Form des Festhaltens von Gedachtem verstanden werden. Dies kann in Form selbsterfundener Zeichen als persönliche Merkhilfe über bildhafte Formen der Darstellung bis zu lesbarer und der Rechtschreibung entsprechender Schrift geschehen.

Einfachste Niederschriften in Form graphischer oder bildhafter Notizen können dem einzelnen bereits wertvollste Dienste, etwa als Merkhilfen, als Unterstützung des Denkens, als Hilfe beim Ordnen von Gedanken usw. leisten und dadurch schon eine Hilfe bei der Bewältigung des Alltags sein sowie die Befähigung zur Ausübung eines Berufs verbessern.

Didaktische Grundsätze

Die Voraussetzung für das Schreiben, nämlich die Wahrnehmung von Richtung und Raumlage und von differenzierten Formen von Linien und Strichen, bedarf geeigneter Vorübungen.

Da das Erlernen des Schreibens vielen Kindern mit erhöhtem Förderbedarf große Mühe abverlangt, soll der Schwerpunkt beim Schreiben nicht auf Gestaltungsmomente gerichtet sein, sondern allein auf Entzifferbarkeit. Vorschreiben einer Mitteilung durch den Lehrer und Nachschreiben soll daher häufig praktiziert werden. Bei falsch geschriebenen Wörtern soll aus Gründen der Ermutigung das Richtiggeschriebene hervorgehoben und nicht das Falschgeschriebene gekennzeichnet werden. Bei Fehlerhäufung in einem Wort ist es am besten, dieses Wort zu löschen und die richtige Schreibweise vorzugeben und zu üben.

Schüler, die durch eine Behinderung am Schreiben beeinträchtigt sind, können entsprechende andere Hilfen, wie elektrische Schreibmaschinen, Kopfstab oder Computer, benutzen.

Eine Verbindung des "Schreibens" mit dem "Lesen" ist notwendig, da es sich um den gleichen Vorgang in umgekehrter Reihenfolge handelt (Kodierung - Dekodierung).

Lehrstoff:

Handlungsfeld Lerninhalte Lernziele
Eingebundensein in soziale Bezüge und in ritualisierte Abläufe, in denen Sprache Bedeutung - Zuhören lernen
- Auf Wünsche, Aufforderungen, Anordnungen u. dgl. eingehen
  - In ritualisierten Alltagshandlungen sprachlich richtig reagieren
  - Gefühle ausdrücken und bei anderen wahrnehmen
Anzeichen als Teil einer zukünftigen Handlung erkennen - Bestimmte Tages-, Wochen- und Jahreszeiten mit bestimmten Tätigkeiten und Vorgängen verbinden
  - Die Reihenfolge von Handlungen und Vorgängen vorhersehen
  - Erlebte Handlungen und Vorgänge beschreiben und zukünftiges Geschehen vermuten
  - Aus Anzeichen, Hinweisen auf dahinterliegende Gegenstände, Sachverhalte und Handlungen schließen

 

Handlungsfeld: Lerninhalte / Lernziele:
 

- Charakteristische Gegenstände ihrem Zweck und Gebrauch zuordnen

 

- Gegenstände und Handlungen entsprechenden Orten und Räumen zuordnen

 

- Charakteristische Handlungen Personen und Tieren zuordnen

 

- Den Zeitaufwand für bestimmte Handlungen und Vorgänge schätzen

 

- Aufzeichnungen machen und benutzen

 

- Pläne machen

   
Anbahnung und Ermöglichung von Kontakten - Einer Gemeinschaft angehören
 

- Tätigkeiten in persönlichen Beziehungen und Gemeinschaften ausüben

 

- Über Sprache und Handlungen Kontakte anknüpfen

Koordination von Bewegungsabläufen und Sinnen - Tätigkeiten ausüben, die den Einsatz und das Zusammenspiel der fünf Sinne erfordern
  - Vorgesprochene Sprache (auch Reime, Gedichte u.dgl.) nachsprechen
   
Sensumotorische, nonverbale und verbale Kommunikationsmöglichkeiten erproben - Miteinander kommunizieren
Erwerb und Anwendung der kulturellen Bedeutung von Gegenständen und Handlungen

- Am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen

 

- Die Bedeutung von Gegenständen und Handlungen erklären

 

- Rollen spielen

 

- Anerkannte und geachtete Umgangsformen erleben, nachahmen und verstehen

Erwerb eines Körperschemas

- Körperliches Befinden ausdrücken bzw. beschreiben

 

- Möglichkeiten und Leistungen der Sinne wahrnehmen und beschreiben

 

- Physische und seelische Bedürfnisse des Körpers äußern

Motorik und Wahrnehmung

- Was man mit dem Körper tun kann: erkennen, ausführen und beschreiben

 

- Verschiedenen Leistungen mit den Sprechorganen ausführen und diese beschreiben

 

- Raum und Raumlage erfahren

 

- Mit Gegenständen und Materialien hantieren, sie benennen und beschreiben

 

- Geräusche, Laute und Stimmen erkennen, benennen und unterscheiden

Repräsentationsfunktion und Symbolverständnis - Die Bedeutung, die Symbole und andere Zeichen vertreten, erkennen und beschreiben
  - Zeichen als konventionelle Repräsentation verwenden
Sprechen - Sprechkompetenz anbahnen bzw.. verbessern
Lesen - Graphische Zeichen erkennen und unterscheiden
  - Buchstaben und Wörter benennen
  - Schriftlich fixierte Sprache entziffern und die Bedeutung erkennen
Schreiben - Spuren machen, Zeichen gestalten
  - Eigene Zeichen, Symbole erfinden
  - Buchstaben bzw. Wörter schreiben
  - Lesbare Handschrift entwickeln