Das erste Wiener Ghetto
Das Ghetto lag rund um den heutigen Judenplatz und erstreckte sich nach Norden bis zur Kirche Maria am Gestade. Die Westseite wurde vom Tiefen Graben, die Ostseite von der Tuchlauben begrenzt. Die Südseite bildete der Platz "Am Hof". Das Ghetto besaß 70 Häuser, die so angeordnet waren, dass ihre Rückwände eine geschlossene Begrenzungsmauer bildeten. Durch vier Tore konnte das Ghetto betreten werden, die beiden Haupteingänge lagen jeweils an der Wipplingerstraße. Wenige dieser in Wien lebenden Juden waren reich. Die meisten Familien besaßen nur ein Haus, viele Familien lebten auch mit einer anderen Familie in einem Haus. Nur von der reichen Familie Streuss ist bekannt, dass sie etwa ein Dutzend Häuser hatte und diese vermietete. Den Mittelpunkt des Judenviertels bildete das erstmals 1205 erwähnte Schul- oder Bethaus, das sich am heutigen Schulhof befand. 1406 wurde nach einem großen Stadtbrand eine neue Synagoge errichtet, die aber nach der Vertreibung der Juden 1421 demoliert wurde. Wichtig für die jüdische Gemeinschaft war auch das Spital, wo man feststellte, dass es nicht nur zur Krankenbetreuung, sondern auch als Altersheim diente.
Judenplatz: Der Platz bildete bis zur Vertreibung der Juden (1421) den Mittelpunkt der Judenstadt und hieß damals Schulhof. Neben der Judenschule, einer der bedeutendsten des deutschsprachigen Raumes, befanden sich hier auch das Judenspital, die Badestube und die Synagoge (zwischen Jordangasse und Kurrentgasse).