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Emanzipation    Zeitgeist    Anna Dengel

Geierwally:

animated.gif 200 KB Als Anna Knittel 1859 nach München "zur Studie" kam, ließ die Akademie der Bildenden Künste noch keineswegs die Aufnahme weiblicher Hörer zu. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts öffnete eine Damenakademie des Münchner Künstlerinnen-Vereins kunstbefließender "Höheren Töchtern" ihre Tore; die staatlichen Akademien waren noch bis 1920 recht frauenfeindlich eingestellt.

Die einzige Möglichkeit zur künstlerischen Fortbildung für Anna bestand daher im Besuch einer privaten Kunstschule oder eines privaten Atelier, deren Besitzer sich dadurch zusätzliches Einkommen erhoffte. In diesen sogenannten "Vorschulen" beschränkte man sich im allgemeinen auf bestimmte Fächer, etwa auf das der Portraitmalerei oder seltener der Landschaftsmalerei. So war die Ausbildung der Schüler nicht genügend vielseitig und systematisch.

Diese Probleme, mit denen Anna zu kämpfen hatte, sollten in der Einschätzung ihrer künstlerischen Leistung berücksichtigt werden. Doch nicht nur in dieser Beziehung bewies "Nanno", wie sie in ihrer Mundart genannt wurde, ihr hohes emanzipiertes Niveau, sondern auch was den allgemeinen Geschlechterkampf anging, setzte sie sich wesentlich vom Üblichen ab. Dies war nicht zuletzt, als sie aus Trotz, (zu dieser Zeit verrufend!) in Männerklamotten in der Öffentlichkeit auftrat. Des öfteren war sie bei den Heimischen in aller Munde. Sei es wegen ihrem Studium, der kurz geschnittenen Haare, ihrer Art der Meinungsäußerung oder ihres Selbstbewußtseins. Sie lernte, zu einer, für Frauen harten Zeit, sich zu engagieren, was ihr auch Erfolg und Anerkennung brachte. Sie war bspw. eine der ersten Frauen im Lechtal, die trotz familiärer Unstimmigkeit ihren Ehegatten selbst aussuchte, obwohl sie dadurch mit dem Rauswurf aus ihrem Elternhaus rechnen mußte, was schließlich auch passierte.

Natürlich hielt sich durch all diese Vorkommnisse auch ihr Freundeskreis eingeschränkt, was ihr, zumindest in ihrer späteren Laufbahn, durch Willen, keineswegs als schlechte Erfahrung anzuerkennen ist.

Eigentlich ist die Geierwally nur eine Versinnbildlichung dessen, was durch Fleiß, Willen sowie durch das Bestreben perfekt zu sein, erreichbar ist; selbst in der Zeit wirtschaftlicher Umwelzungen.

Deshalb sollte die Geierwally ohne "Wimpernzucken" als Beispiel großer Persönlichkeiten sowie als Vorbild mit Erfolg als Hintergedanken in allen Zeiten weiterleben.