Alfred Kubin wurde am 10. April 1877 in Leitmeritz,
einer Stadt in Nordböhmen, geboren. Sein Vater, Friedrich Franz Kubin, war nach seinem
Dienst als Offizier der k. u. k. Armee Obergeometer im Staatsdienst. Seine Mutter war die
Pianistin Johanna Jenny geb. Kletzl, eine kunstsinnige Frau, von der Kubin wohl das
Musische geerbt hat. 1882 übersiedelten die Eltern nach Zell am See.
Kubin war schon als Kind nichts so verhaßt wie äußerer Zwang. Er wollte ein
unbekümmertes Leben führen und stieß dabei immer wieder auf den Widerstand der
Erwachsenen. Die Schulstunden wollten ihm gar nicht vergehen, der Lehrer gewann jedoch
bald sein Vertrauen.
Märchenbücher hatte Kubin am liebsten. Mit fünf Jahren begann er mit Stiften und Farben
ungezählte Blätter zu bezeichnen. Er hatte immer einen Hang zur Übertreibung und zu
Phantastereien: eine Kuh mit vier Hörnern war ihm viel lieber als die mit zwei.
Dementsprechend waren auch seine Kinderzeichnungen beschaffen. Sie wimmelten von
Zauberern, schrecklichem Viezeug, kurz der ganze spätere Kubin war schon im Keime darin
enthalten.
Zehn jahre war Kubin alt, als seine Mutter starb. Sie war der erste Mensch, den er sterben
sah. Ihr Tod hat sich tief ins Kindesgemüt eingeprägt und beendete die Jahre seiner
Kindheit. Kubin wurde nach Salzburg ans Gymnasium geschickt. In der zweiten Klasse fiel er
durch und kam wieder zurück nach Zell am See. Mit vierzehn Jahren gab ihn sein Vater an
die Staatsgewerbeschule nach Salzburg, um ihn für das Baufach ausbilden zu lassen.
Nach anfänglichen Erfolgen versagte er auch hier. Mit fünfzehn Jahren nahm ihn der
Schwager des Vaters, ein Photograph in Klagenfurt, als Praktikanten auf. Kubin war ganze
Nächte außer Haus. Auf die Dauer bekamen ihm die durchbummelten Nächte gesundheitlich
schlecht, er fühlte sich immer elender. Lebensunlust überfiel ihn und er wollte seinem
verpfuschten Leben ein Ende machen. Mit einem billigen Revolver in der Tasche fuhr er nach
Zell am See, um sich am Grab seiner Mutter zu erschießen. Es kam jedoch nicht so weit; am
Grab seiner Mutter erlitt er einen Nervenzusammenbruch.
In der Folge wollte er freiwillig in den Militärdienst eintreten. Nach kurzer zeit wurde
er wegen seines Nervenzustandes ins Spital eingeliefert und nachs einer Genesung
entlassen. Mit zwanzig Jahren kam er zurück ins Elternhaus, wo er in der ihm lieben und
vertrauten Natur vollkommen genas.
Über Wunsch des Vaters ging Kubin auf die Akademie in die Zeichenklasse des Professors
Gysis. Die streng akademische Malerei sagte ihm aber nie zu. Seine skurrilen, spukhaften
Einfälle forderten einen neuen künstlerischen Ausdruck.
Im Münchner Kupferstichkabinett lernt er Klingers
Radierungen kennen. Hier sah er eine Kunst, die seinen Vorstellungen entsprach, und er
gelobte sich, sein Leben dem Schaffen solcher Dinge zu weihen. Er begann, ganze Reihen von
spukhaften Tuschzeichnungen zu gestalten. Er lernet Goya, de Croux, Munch,
Ensor, Redon kennen.