ZWEI ASPEKTE DER MODERNEN ITALIENISCHEN MUSIK: DIE ZWÖLFTON, -UND DIE ELEKTRONISCHE MUSIK
Die letzten Generationen der italienischen Komponisten formieren sich entlang der gesamten Palette der Stile, die die zeitgenössische Musik aufweist.
Die Anhänger der Zwölftonmusik, die wir im Stil Schönbergs als traditionell bezeichnen können, nehmen in der neuen italienischen Musik eine zentrale Position ein.
Die Zwölftonmusik stellt die Endphase der Krise des Tonsystems dar.
Einhergehend mit der Krise der romantischen Musik macht sie der hierachischen Vorstellung der Töne auf dem Tonsystem, das auf der Gravitation der Akkorde um einige Stufen, die als Anziehungspole dienen, basiert, ein Ende: im Speziellen die Tonika und die Dominante.
Schönberg fühlt nach der sogenannten "Emanzipation der Dissonanzen" und der "freien Atonalität" das Bedürfnis, ein normatives System, das heißt eine zwölfstimmige Kompositionstechnik auszuarbeiten, in der alle Töne des Systems untereinander gleichgestellt sind. (12 Noten in Verbindung zueinander)
Zu den Vertretern der klassischen Zwölftonmusik zählen Riccardo Malpiero (Milano 1914), Camillo Togni (1922), Gino Contilli (1907) und Roman Vlad (1919), von rumänischer Herkunft, ein scharfer Musikkritiker, außerdem Komponist und Kenner der elektronischen Musik.
Die elektronische Musik geht einher mit der Entwicklung der elektronischen Technik, das heißt mit der Erfindung von Geräten, die die Produktion von Tönen mittels der Umwandlung von elektronischen zu akustischen Vibrationen ermöglichen.
Im Jahr 1954 bildete sich das "Studio di Fonologia Musicale della Radiotelevisione Italiana" (das Tontechnikstudio der RAI) nach Verdienst von Bruno Maderna (1920-1973) und Luciano Boei (1925), die das Abenteuer der elektronischen Musik mit einem gewissen Radikalismus entwickelt und eine Forschungs,- und avantgardistische Arbeit durchgeführt haben, die palallel mit der europäischen und amerikanischen verlaufen ist.
Es gibt in der Entwicklung der zeitgenössischischen Tonsysteme eine interne Logik: die in Frage kommenden Musiker, deren Zahl schnell ansteigt, represäntieren einen fortschrittlichen Aspekt einer präzisen historischen Situation; der technische Fortschritt und das Atomzeitalter verlaufen in jenen [Werken] wie ein elektrischer Strom und so schwimmt die Avantgarde gegen den Strom. Bruno Maderna wurde behindert und begünstigt zur gleichen Zeit durch seinen Erfolg mit dem Orchester. In den ersten Jahren seines Lebens wirkte er als Komponist. In den Werken wie QUADRIVIUM (1969), GRANDE AULODIA (1970), AURA (1972), GIARDINO RELIGIOSO (1972), TERZO CONCERTO PER OBOE (1973) brachte er eine sehr persönliche Technik zur Vollendung, die es ihm erlaubte, gemeinsam mit seinem außergewöhnliche Wissen übers Orchester und alle antiken und modernen Tonsysteme, einen sehr wetvollen Beitrag zur musikalischen Entwicklung im Laufe der Zeit beizutragen, d.h. zur Assimilation und Überwindung der Zwölftonmusik.
Ein Pionier der elektronischen Musik in Italien ist LUCIANO BOERIO, der eine Serie von SEQUENZE für einzelne Instrumente oder für Stimmen, welche wie tiefergehende Untersuchungen ihrer Möglichkeiten sind, ausgearbeitet hat. Diese Neugierde des Tons kommt in Boerios großartiger SINFONIA (1968) für eine Gruppe von acht Stimmen und ein großes Orchester vor, die zu einer Entwicklung der Wiederaufnahme der zweiten Synphonie von Mahler führte.
In den theatralischen Arbeiten (Passagggio,Opera) und im Lied "Laboriuntus2" , geschrieben,
zum 700-jährigen Jubiläum der Geburt Dantes, nach dem Text von Edoardo Sanguineti,drückt Boerio seine beständige Überzeugung vom existentiellen Pessimismus und von den Klagen über die Kommerzialisierung aus, der die Welt und der Mensch ausgeliefert sind.
So ein bitterer Verlauf bringt ihm dem leidenden Klima des wienerischen Expressionismus näher und bildet eine einzigartige Dualität in seiner Natur, gezogen in die andere Richtung der zeitgenössischen, leichteren und glücklicheren Kunst.
In so einem Sinn entwickeln sich einige seiner vokalen und instrumentalen Kompositionen, die häufig offen sind für die Erfahrungen der gängigen Musik wie des Pop, des Rock und des Folk.