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Auszug aus Weiningers ...
Den Konflikt zwischen den "Resten" der früheren jüdischen und der neuen Identotät schildert auch Otto Weininger in diesem Werk.
In diesem Werk, das um die Jahrhundertwende als "Hausbuch" der Gebildeten galt, schilderte er diesen Konflikt mit äußerster psychologischer Genauigkeit:
"W i e m a n i m a n d e r e n n u r l i e b t, w a s m a n g e r n e g a n z s e i n
m ö c h t e u n d d o c h n i e g a n z i s t, s o h a ß t m a n i m a n d e r e n n u r, w a s
m a n n i m m e r s e i n w i l l, u n d d o c h i m m e r z u m T e i l n o c h i s t. [...] So
erklärt es sich, daß die allerschärfsten Antisemiten u n t e r d e n J u d e n zu finden sind.
[...] Doch dies eine bleibt darum nicht minder gewiß: wer immer das jüdische Wesen
haßt, der haßt es zunächst in sich: daß er es im anderen verfolgt, ist nur sein Versuch, vom Jüdischen auf diese Weise sich zu sondern; er trachtet sich von ihm zu scheiden dadurch, daß er es gänzlich im Nebenmenschen lokalisiert, und so für den Augenblick von ihm frei
zu sein wähnen kann. Der Haß ist ein Projektionsphänomen wie die Liebe: der Mensch
haßt nur, durch wen er sich unangenehm an sich selbst erinnert fühlt."
(Otto Weininger, Geschlecht und Charakter,[Erstausgabe Wien 1903] S. 407)