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Rainer Maria RILKE
Demütige Hingabe an Gott und die Welt helfen diesem österreichischen Dichter
die Stellung des Menschen im All zu deuten. Er nimmt stufenweise die Kultur des östlichen,
nördlichen, westlichen und südlichen Abendlandes in sich auf und wird so zu einem universalen
Europäer. Rainer Maria Rilke beherrrscht die deutsche, tschechische, russiche, französiche,
italienische und dänische Sprache. Schon dadurch wird er auch ein Vermittler zwischen den
Nationen. Er übersetzt Werke von Michelangelo Buonarotti, Francesco Petrarce, Jens Peter Jacobsen,
Elisabeth Barret-Browning, Paul Valery, Paul Verlaine, Stephane Mallarme und Andre Gide ins Deutsche
und dichtet außer in deutscher auch in tschechischer, russischer und französischer Sprache.
Seine Liebe gilt den Schwachen, Gebrechlichen, Armen, Demütigen und den Stillen, besonders den jungen
Mädchen und Kindern. Der junge Rilke geht vom Impressionismus aus, wobei er
schnell eine völlig unnachahmliche, eigene Tönung gewinnt und Schwer-Sagbares, bloß Erahntes in Symbolen
ausdrückt.
Rainer Maria Rilke hat wie kaum ein anderer Dichter die lyrischen Ausdrucksmöglichkeiten unserer Sprache
erweitert. Durch immer intensivere Verkürzung der Aussage erreicht er Gebiete so zarten Ausdrucks, daß
sie an der Grenze des Sagbaren und Hörbaren liegen.
Die beiden Leitmotive in seinem so vielen Möglichkeiten der Deutung offenen dichterischen Werk sind die
Liebe und der Tod. Seine eigenartige Liebesauffassung gipfelt in dem Gedanken der besitzlosen, der mit
Willen unerfüllten, den Geliebten freilassenden, der "verhaltenen" Liebe, dem "Eros der Ferne".
Den Tod faßt der Dichter am liebsten in das Bild einer Frucht, die in jedem Menschen reift und deren Kern
der Tod ist.