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Eduard van der Nüll und August Siccard von Siccardsburg
Van der Nüll, seit 1844 Professor für Architektur und Ornamentik an der Akademie
der bildenden Künste in Wien, gehörte zu den bedeutendsten Architekten der "Gründerzeit" und
war ein Vertreter des dekorativen Historismus. Gemeinsam mit dem aus Budapest stammenden
Sicard von Sicardsburg, ebenfalls Architekturprofessor an der Akademie (seit 1843) und 1861
erster Präsident des Wiener Künstlerhauses, realisierte von der Nüll mehrere Bauprojekte (so
das Wiener Sophienbad 1848), wobei er sich mehr den kunsthandwerklichen und ornamentalen Problemen
widmete, während Sicard von Sicardsburg stets den technischen und geschäftlichen Part übernahm. 1861
gingen die beiden Baumeister als Sieger der "Concours-Ausschreibung" für den "Bau eines neuen
Hof-Operntheaters in Wien" hervor. Ihr Entwurf stieß jedoch schon bald auf Ablehnung in der Öffentlichkeit,
die den "Mischmasch der Stile" kritisierte und reimte "Gotisch, Klassisch, Renaissance - olles ans". Je
näher der Termin der Fertigstellung des Gebäudes rückte, desto schärfer und unsachlicher wurde die Kritik.
Als das oberste Hofbauamt während der Bauarbeiten das Straßenniveau der Ringstraße noch um fast einen Meter
erhöhen ließ, galt der Spott den beiden Architekten und ihrer "versunkenen Krise".
Van der Nüll, durch die zahlreichen Anfeindungen selbst unsicher geworden, erhängt sich daraufhin am
3. April 1868 in einem Haus in Mariahilf. Sicard von Sicardsburg, der gerade eine schwere Operation hinter sich
hat, kann den Freitod seines Freundes nicht überwinden und stirbt am 11. Juni in einer von ihm erbauten Villa
bei Klosterneuburg.
Nach dem tragischen Ende der beiden Baumeister veranstaltet die "Wiener Künstler-Genossenschaft" eine
Gedächtnisausstellung, und Kaiser Franz Joseph I. ordnet an, an der Hauptstiege der Oper Marmormedaillons mit
den Porträts der beiden Architekten anzubringen.