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BAUM ALS MOTIV
EINER
GESTALTERISCHEN ARBEIT


Ein Gedicht als Impulsmöglichkeit für eine praktische Arbeit:
Leben
einzeln und frei
wie ein Baum
und brüderlich
wie ein Wald
ist unsere Sehnsucht

Nazim Hikmet, 1979


Weitere Impulsmöglichkeiten:
Bildbeispiele von Klimt und Schiele zu den Motiven Baum, Wald und Blumen
(Alle Bilder befinden sich in der Österreichischen Galerie / Wien, außer Schieles "Kastanienbaum".)


Gustav Klimt
Buchen-/Birkenwald (1903)
Öl auf Leinwand, 110x110cm



Egon Schiele
Vier Kastanienbäume (1917)
Öl auf Leinwand, 111x140cm



Gustav Klimt
Apfelbaum (1911 oder 1912)
Öl auf Leinwand, 109x110cm



Egon Schiele
Kastanienbaum (1912)
Aquarell, Größe nicht feststellbar (Privatbesitz)



Gustav Klimt
Bauerngarten mit Sonnenblumen (um 1906)
Öl auf Leinwand, 110x110cm



Egon Schiele
Sonnenblumen I (1911)
Öl auf Leinwand, 90x91cm


Bei Klimt

stehen das Wachsen, das Blühen und das Früchtetragen der Pflanzen im Mittelpunkt (jahreszeitliche Höhepunkte).
Die vollendete SCHÖNHEIT und die Harmonie werden angestrebt. Das Häßliche ist nicht darstellungswürdig. Es wird als Bedrohung aufgefaßt. Die Natur ist ein Ganzes. Bäume sind meist als Gruppe dargestellt. Alle Teile sind miteinander verknüpft, alles greift ineinander wie ein Puzzle - kein Teil sollte fehlen.


Bei Schiele

stehen Verblühen, Verwelken, Vertrocknen und Absterben der Pflanzen im Mittelpunkt (herbstliche Abendstimmung). Dazu eine Schlußzeile eines poetischen Textes von Schiele:
"Alles ist lebend tot."
Die VERGÄNGLICHKEIT und Verletzlichkeit des Lebens werden aufgezeigt und bewußt gemacht, ohne jedoch damit Ängste zu schüren, vielmehr damit umgehen zu lernen.
Menschen, Bäume oder Blumen - alles wird vereinzelt, isoliert, von der Umgebung distanziert.



Folgende Techniken bieten sich an:

  • Zeichnen mit Bleistift (2B bis 6B)
  • Malen mit Aquarell- bzw. Deckfarben, Ölkreiden oder Farbstiften
  • Baumdarstellungen von Klimt und Schiele mit Grafikprogrammen bearbeiten
    (z. B. Reihung, perspektivische Verzerrung)
Gestaltungsmöglichkeiten:
  • Die Darstellungsmittel (Punkt; Strich, Linie, Fläche, Farbe, ...) mittels Gestaltungselemente (Kontrast, Rhythmus und Proportionen) ordnen, in Beziehung bringen (statisch-ruhend oder dynamisch-bewegt).
  • Die Gestaltungsweise kann entweder in die expressive (Ausdruck des Inneren --> Schiele) oder in die impressive (Eindruck des Äußeren --> Klimt) Richtung gehen.
Erklärung zu verschiedenen Fachausdrücken:

  • Kontraste, Gegensätze:
    Diese schaffen Spannung und auffallende Bildstellen. Die Wirkung zweier Werte wird verstärkt, wenn sie in Kontrast zueinander gesetzt werden.
  • Rhythmus:
    Dies bedeutet eine regelmäßigen Wechsel bestimmter Teile oder Formen (z. B. Ornament= strenge rhythmische Reihung); steigert die Harmonie.
  • Proportion:
    bezeichnet das Größenverhältnis der einzelnen Teile zueinander sowie zur Bildfläche und zum Hintergrund. Die Wirkung einer bildnerischen Gestalt bzw. einer künstlerischen Komposition bewegt sich zwischen zwei Polen:
      
    s t a t i s c h  -  r u h e n d	      d y n a m i s c h  -  b e w e g t
           Harmonie durch			       Spannung durch 
    Kräfteausgleich und Symmetrie	     dominante Bildstellung und Dialoge    
    				            
    
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